Ein neuer Stern am Forschungsstammbaum des mathematischen Instituts der Universität Bonn: Tingxiang Zou hat eine Zusage für das prestigeträchtige Emmy-Noether-Programm erhalten. Dieser Programmpunkt dient der Förderung aufstrebender Wissenschaftler:innen, und das Ziel von Zou ist klar: Der Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe am Bonner Institut. Hierbei wird ihr besonderes Augenmerk dem Elekes-Szabó-Problem gelten, einem facettenreiches kombinatorischen Problem, das tiefgehende Verbindungen zu Geometrie, Algebra und Modelltheorie aufweist.
Das Elekes-Szabó-Problem ist besonders spannend, weil es sich um die Untersuchung höherdimensionaler Versionen handelt. Dies beinhaltet tiefere algebraische Relationen, die durch Polynomgleichungen über den reellen oder komplexen Zahlen formuliert werden. Eine zentrale Erkenntnis in dieser Thematik ist, dass eine unerwartet hohe Anzahl an Lösungen einer algebraischen Gleichung in einem endlichen Punktgitter auf eine zugrunde liegende algebraische Gruppenstruktur hindeuten kann. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, herauszufinden, in welchen Fällen algebraische Gleichungen eine große Lösungsmenge in solchen endlichen Gittern aufweisen.
Ein vielfältiger Forschungsansatz
Ein weiterer spannender Aspekt von Zous Arbeit ist das Summen-Produkt-Problem, das beschreibt, dass eine Zahlenmenge nicht gleichzeitig stark strukturiert in der Addition und Multiplikation sein kann. Ein anschauliches Beispiel hierfür sind gerade Zahlen wie 2, 4, 6, 8 und 10: Während sie bei der Addition nur wenige neue Werte hervorbringen, erzeugen sie bei der Multiplikation viele verschiedene Ergebnisse. Dies öffnet Türen zu faszinierenden Fragestellungen und Varianten, die in der Mathematik noch entscheidend sind.
Zou bringt reichlich Erfahrung mit in ihr neues Projekt. Nach ihrem Studium der Philosophie an der Universität Peking und einem Master in Logik in Amsterdam, promovierte sie am Institut Camille Jordan der Universität Lyon von 2015 bis 2019. Ihre akademische Laufbahn führte sie unter anderem an die Hebrew University in Jerusalem sowie an den Exzellenzcluster Mathematics Münster. Ab Anfang 2024 wird sie als Postdoktorandin am Mathematischen Institut und assoziiertes Mitglied des Hausdorff Centers for Mathematics in Bonn tätig sein, bevor sie im September 2026 die Leitung ihrer Emmy-Noether-Forschungsgruppe übernimmt. Diese wird anfangs mit bis zu 850.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert, mit der Möglichkeit einer anschließenden Verlängerung um weitere drei Jahre und zusätzlichen 710.000 Euro.
Zusammenarbeit und Austausch auf internationaler Ebene
Ein sicheres Gespür für internationale Kooperationen wird Zous Forschung ebenfalls prägen. Sie wird unter anderem mit renommierten Wissenschaftlern wie Martin Bays von der Universität Oxford, Jan Dobrowolski von der Xiamen University Malaysia und Yifan Jing von der Ohio State University zusammenarbeiten. Auch neue Partnerschaften, beispielsweise mit Artem Chernikov von der Universität Maryland und Ehud Hrushovski aus Oxford, stehen auf der Agenda.
Im Kontext der Emmy-Noether-Preise sind auch andere interessante Projekte zu nennen. So leitet Jun-Prof. Dr. Philip Bockholt an der Universität Münster ein Projekt, das sich dem Inner-Islamic Transfer von Wissen durch Übersetzungsprozesse im arabisch-persisch-osmanischen Raum zwischen 1400 und 1750 widmet. Dieses Projekt verdeutlicht die verschiedenen Facetten der Wissenschaftskommunikation in historischen Kontexten, wobei Übersetzungen eine Schlüsselrolle in der Entstehung des Osmanischen Reiches spielten.
Insgesamt zeigt die Entwicklung am Mathematischen Institut der Universität Bonn, wie dynamisch und interdisziplinär die Forschungslandschaft in Deutschland ist. Es wird spannend sein zu beobachten, wie Tingxiang Zou mit ihrem innovativen Ansatz und ihrer umfangreichen Erfahrung nicht nur zur weiterführenden Diskussion im Bereich der Mathematik beiträgt, sondern auch neue Impulse für die internationale Forschungszusammenarbeit setzt.
Für weitere Informationen zu Tingxiang Zous Forschungsgruppe besuchen Sie bitte die offizielle Mitteilung von der Universität Bonn und erfahren Sie mehr über die Emmy-Noether-Preise auf der Website der Universität Münster.