Am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (IPB) in Deutschland wird die renommierte Wissenschaftsjournalistin Sigrid März als „Journalist in Residence“ tätig sein. Die freie Journalistin, die sich auf evidenzbasierte Medizin spezialisiert hat, wird sich während ihres Aufenthalts intensiv mit dem historischen Arzneimittelfall „Duogynon“ auseinandersetzen. Dieser Fall, der zwischen den 1950er und 1980er Jahren als Schwangerschaftstest häufig verschrieben wurde, steht im Verdacht, zahlreiche Fehlbildungen bei Neugeborenen verursacht zu haben.

März, die Mitbegründerin des Recherchekollektivs „Investigativstation“ ist, hat sich in der Vergangenheit vielfältig mit Gesundheits- und Verbraucherthemen beschäftigt. Ihre journalistische Laufbahn umfasst auch leitende Positionen für das Online-Medium MedWatch. Ihre Arbeit wurde bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, darunter der Journalistenpreis für „Evidenzbasierte Medizin in den Medien“. Sie möchte in ihren Workshops zu Wissenschaftsjournalismus, Datenkompetenz und Studienbewertung ihr umfangreiches Wissen weitergeben. Uni Erfurt berichtet, dass ihr Aufenthalt auch einen Austausch mit Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Disziplinen vorsieht, insbesondere zu Themen wie Frauengesundheit, Stigmatisierung und Empowerment.

Der Fall Duogynon und seine Auswirkungen

Duogynon, ein hormonelles Kombinationspräparat, das seit 1950 in der westdeutschen Pharmakologie erhältlich ist, wurde in den 1960er und 70er Jahren massenhaft verschrieben. Damals galt es als medizinische Innovation zur frühen Feststellung einer Schwangerschaft. Leider wurden in dieser Zeit viele Kinder mit Missbildungen geboren, deren Mütter das Präparat eingenommen hatten. Die CDU/CSU-Fraktion hat kürzlich eine Kleine Anfrage zum Stand des angekündigten Rechtsgutachtens zu Duogynon gestellt. In diesem Kontext wird gefragt, wann das vom Bundesgesundheitsministerium im November 2023 zugesagte Gutachten in Auftrag gegeben wird. Auch die Einbeziehung des „Netzwerk Duogynon e. V.“ in das Verfahren wird thematisiert, wie Bundestag berichtet.

März unterscheidet zwischen der medizinischen Innovation von damals und den gegenwärtigen Herausforderungen für die Gesundheit von Frauen. Sie wird insbesondere die Fragen aufwerfen, ob ein solch fataler Fall in der heutigen Zeit noch möglich wäre. Zudem will sie ergründen, welche Faktoren die Frauengesundheit beeinflussen – sei es psychologisch, sozial oder ökonomisch. Ein weiterer Aspekt ihrer Arbeit wird der Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Rolle von reproduktiven rechten sowie Migration in der medizinischen Betreuung und Forschung sein.

Interdisziplinärer Austausch und Forschung

Das IPB bietet der Journalistin mit seiner interdisziplinären Ausrichtung einen wichtigen Resonanzraum für ihr Buchprojekt. Der Dialog zwischen Forschung und Journalismus steht im Zentrum ihres Aufenthalts, was eine evidenzbasierte Auseinandersetzung mit diesen komplexen Gesundheitsthemen fördert. März hofft, durch ihren Austausch mit Wissenschaftler:innen wertvolle Einsichten zu gewinnen, die dazu beitragen, gesellschaftliche Machtverhältnisse und strukturelle Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung zu beleuchten.

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Die Arbeit von Sigrid März am IPB wird somit nicht nur den Historien des Duogynon-Falles aufarbeiten, sondern könnte auch dazu beitragen, aktuelle Herausforderungen im Bereich der Frauengesundheit weiter sichtbar zu machen und auf notwendige Veränderungen hinzuarbeiten.