In den letzten vier Jahren hat der Krieg gegen Russland in der Ukraine verheerende Auswirkungen auf das kulturelle Erbe des Landes hinterlassen. Hunderte Kulturerbestätten wurden beschädigt oder zerstört, darunter beeindruckende historische Gebäude, religiöse Stätten und kulturelle Zentren. Ein Lichtblick ist die derzeit laufende Fotoausstellung „Krieg zerstört Denkmäler: Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine“, die im Hauptgebäude der Viadrina zu sehen ist. Die Organisatorin der Ausstellung, Renata Hanynets, Doktorandin am Lehrstuhl für Denkmalkunde, möchte durch diese Ausstellung auf die Dramatik des Verlusts aufmerksam machen.
Die Ausstellung umfasst 20 eindrucksvolle Fotos von beschädigten Gebäuden aus verschiedenen Städten der Ukraine, die aus der Sonderkategorie „War Destroys Monuments“ des internationalen Fotowettbewerbs Wiki Loves Monuments stammen. Diese Bilder erzählen Geschichten von Zerstörung und Verlust, die oft wenig mediale Aufmerksamkeit erhalten. Hanynets hebt hervor, dass hinter jeder Ruine ein Stück Identität und Kultur steht, das vielen zukünftig fehlen wird. Die Ausstellung ist bis zum 27. März täglich vor der Universitätsbibliothek der Viadrina zugänglich.
Kulturelle Verluste in der Ukraine
Auf der Seite von Wikipedia wird aktuell eine umfassende Liste von beschädigten und zerstörten Kulturstätten in der Ukraine geführt. Allein im Jahr 2022 litten viele bedeutende Gebäude, wie die Nikolauskirche in Wolnowacha und die Akademisches Dramatheater der Oblast Donezk in Mariupol, unter den Angriffen. Das Theater war Schauplatz eines schrecklichen Angriffs, bei dem zahlreiche Zivilisten ums Leben kamen, während das Gebäude selbst durch die Bombardierung schwer beschädigt wurde.
Die Liste dokumentiert insgesamt 485 Kulturgüter, die seit dem Überfall am 24. Februar 2022 in Mitleidenschaft gezogen wurden. Darunter fallen 149 religiöse Stätten und 257 historische sowie künstlerische Gebäude. Regionen wie Donezk und Charkiw sind besonders stark betroffen, mit schwerwiegenden Verlusten an historischen und kulturellen Stätten.
Zerstörung der kulturellen Identität
Der Krieg gegen die ukrainische Kultur hat tiefere historische Wurzeln. Wie Historiker Jan Claas Behrends erläutert, wurde der Angriff auf Kulturgüter als ein Versuch Russlands gedeutet, die ukrainische Identität auszulöschen. In besetzten Dörfern wurden ukrainische Bücher verbrannt und Kultureinrichtungen gezielt zerstört. Diese Angriffe auf die Kultur zeigen, wie sehr der Konflikt die kulturelle und sprachliche Nähe zwischen Russland und der Ukraine belastet.
Weltweit gibt es ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung des Erhalts kultureller Erbes in Krisenzeiten. Das Haager Übereinkommen von 1954 schützt Kulturgüter in bewaffneten Konflikten und klassifiziert die vorsätzliche Zerstörung als Kriegsverbrechen. Es bleibt zu hoffen, dass durch internationale Zusammenarbeit und Rückendeckung der ukrainischen Behörden solche Schandtaten künftig verhindert werden können.
Die Fotoausstellung an der Viadrina bietet einen berührenden Einblick in die Zerstörung, die der Ukraine widerfahren ist. Hanynets ermutigt, diesen Verlust nicht zu ignorieren, um das Bewusstsein für die kulturellen und historischen Wurzeln der Ukraine zu schärfen. Denn trotz aller Zerstörung bleibt die Hoffnung auf Wiederaufbau und kulturelle Erneuerung bestehen.
Für Interessierte wird eine englischsprachige Führung durch die Ausstellung am Mittwoch, dem 18. März, um 16:00 Uhr angeboten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, sodass jeder die Möglichkeit hat, sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen.