Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen auch die Anforderungen an junge Menschen in Deutschland. Seit dem 1. Januar 2026 sind neue Regelungen für den Wehrdienst in Kraft, die vor allem die 15- bis 30-Jährigen betreffen. Um herauszufinden, wie die junge Generation zu diesen Änderungen steht, führen Wissenschaftler*innen der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt eine bundesweite Onlinebefragung durch. Dabei wollen sie die Meinung, Stimmungen und Ängste junger Menschen hinsichtlich des neuen Wehrdienstes sowie der aktuellen sicherheitspolitischen Lage ergründen. Diese Initiative wird von PD Dr. Severine Thomas, Dorothee Kochskämper und Dr. Johanna Wilmes geleitet und läuft bis zum 27. März 2026. Die Befragung dauert lediglich etwa 10 Minuten und ist unter diesem Link erreichbar.
Ein besonders wichtiger Aspekt der Befragung ist die Erfassung der Sorgen, die viele junge Erwachsene in Bezug auf gegenwärtige Konflikte wie Kriege und Krisen empfinden. Über erste Ergebnisse von vorherigen Befragungen zu den Themen Jugend und Corona wissen die Forscher*innen, dass viele von ihnen sich in der Politik wenig gesehen fühlen und stark um ihre Zukunft besorgt sind. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass ab dem Jahrgang 2008, junge Männer verpflichtet sind, einen Fragebogen zur Motivation und Eignung auszufüllen, während für junge Frauen die Wehrerfassung bislang freiwillig bleibt.
Erschütternde Rahmenbedingungen
Aber was treibt die Sorgen junger Menschen wirklich an? Politikwissenschaftlerin Pia Jaeger, die die Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendpolitik am Deutschen Jugendinstitut leitet, hebt hervor, dass die junge Generation in Deutschland mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert ist. Diese beinhalten nicht nur den Wehrdienst, sondern auch die Rentenpolitik und die drängende Frage des Klimawandels. Im Vergleich zur Babyboomer-Generation gestaltet sich die aktuelle wirtschaftliche Lage für viele junge Menschen als weitaus schwieriger.
Die Krisen der letzten Jahre – allen voran die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg – haben nicht nur das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt, sondern auch die finanziellen Spielräume des Sozialstaates eingeschränkt. Ein herausforderndes Ungleichgewicht zeigt sich in den steigenden Sozialversicherungskosten, die sich mit der abnehmenden Zahl der Erwerbstätigen verbinden. Das führt zwangsläufig zu einem Gefühl von Ungerechtigkeit unter den jungen Menschen, da die ältere Generation stärker von sozialpolitischen Maßnahmen profitiert.
Politische Mitbestimmung ist gefragt
An dieser Stelle wird es deutlich: Junge Menschen fühlen sich allzu oft von politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Der Verteidigungsausschuss des Bundestages hört bereits Experten zur zukünftigen Ausgestaltung des Wehrdienstes an, während gleichzeitig der überwiegende Teil der Wählerschaft über 50 Jahre alt ist. Es bleibt zu befürchten, dass die spezifischen Bedürfnisse der jungen Generation in der politischen Debatte untergehen, wenn sie nicht aktiv einbezogen wird.
Diese Herausforderungen manifestieren sich nicht nur in politischen Fragen, sondern beeinflussen auch den Alltag und die Lebensplanung junger Menschen erheblich. Existenzängste, psychische Probleme und der Druck, Verantwortung für die Sicherung von Pflege-, Kranken- und Rentenversicherungen zu übernehmen, lassen die Anforderungen der Zeit erdrückend erscheinen.
Die Fragmentierung der Kinder- und Jugendpolitik in Deutschland und das Fehlen einer umfassenden Strategie zur strukturellen Einbindung junger Menschen in politische Entscheidungen erhöhen den Druck. Die Generationenpolitik könnte sowohl von einem stärkeren Einbezug junger Stimmen als auch von einem Neudenken der Solidarität zwischen Alt und Jung profitieren. Denn nur so lässt sich der Generationenvertrag aufrechterhalten und die Bedürfnisse junger Menschen wirklich ernst nehmen. Ein zentraler Baustein für eine zukunftsfähige Politik!
Für weitere Informationen zur Befragung und den zugrunde liegenden Studien zu Jugend und Corona können die entsprechenden Studien unter diesem Link eingesehen werden. Das beschworene Ziel sollte klar sein: Die Bedürfnisse der jungen Generation wieder ins Zentrum der politischen Diskussion zu rücken!