In einem aktuellen Projekt der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Till Kleinebecker wurde die Rolle von Grünflächen hinsichtlich der Kohlenstoffspeicherung genauer unter die Lupe genommen. Das Projekt mit dem Namen GreenJLU verfolgt das Ziel, systematisch zu untersuchen, wie die Vegetationsstruktur und die Geschichte der Flächennutzung den CO2-Gehalt im Boden beeinflussen. Durch die Analyse von 120 Grünflächen auf dem Campus der JLU wurde eine Vielzahl von Faktoren identifiziert, die die Kohlenstoffspeicherung beeinflussen.
Ein zentraler Befund der Studie zeigt, dass weniger intensiv gepflegte Flächen, beispielsweise Wiesen mit Wildblumen und Gehölzen, Vorteile in Bezug auf die Kohlenstoffvorräte aufweisen. Intensiv bewirtschaftete Flächen hingegen haben tendenziell geringere Kohlenstoffspeicher. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Urban Forestry & Urban Greening veröffentlicht und sollen als Orientierungshilfe für nachhaltig gestaltete und gepflegte Grünflächen in urbanen Räumen dienen. Das Projekt wurde vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) zwischen 2021 und 2025 gefördert.
Kohlenstoffspeicherung im Fokus
Die Studienergebnisse verdeutlichen die wichtige Rolle der Vegetation und des Managements der Flächen für die Kohlenstoffspeicherung. Bodenschonende Pflege, natürliche Laubschichten sowie gut entwickelte Wurzelsysteme sind entscheidend, um die CO2-Bindung aktiv zu fördern. Die Forscher konnten zudem einen neu entwickelten Index zur Bewertung der Bodengesundheit präsentieren, der auf physikalischen und chemischen Eigenschaften des Bodens basiert. Dies ermöglicht eine gezielte Beurteilung der spezifischen Gegebenheiten der untersuchten Flächen.
Die JLU ist eine bedeutende Flächeneigentümerin im Raum Gießen und beherbergt zahlreiche unversiegelte Grünflächen, die das Potenzial zur Kohlenstoffbindung erheblich steigern können. Die Umsetzung dieser Erkenntnisse hat sowohl Auswirkungen auf die Universität selbst als auch auf die städtische Umgebung. Oft geht im urbanen Raum die Möglichkeit der CO2-Speicherung durch unpassende Pflegepraktiken verloren.
Der Beitrag von Bäumen zur Klimaschutzstrategie
Ein weiteres Element der Kohlenstoffspeicherung in Städten sind die Baumbestände, die natürliche CO2-Senken darstellen. Wie eine Analyse zeigt, können kommunale Gehölzbestände zur CO2-Speicherung beitragen, auch wenn ihre Leistung im Vergleich zu Wäldern geringer ist. Um die CO2-Bindung der Bäume zu schätzen, können Baumkatasterdaten herangezogen werden, die präzise Informationen über Baumdimensionen, -anzahl und -arten liefern. Dies wird durch moderne Software unterstützt, die schnelle Berechnungen ermöglicht.
Die wissenschaftlich fundierte Untersuchung von Kohlenstoffspeicherung in städtischen Baumbeständen hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Während von 2007 bis 2019 die Kohlenstoffspeicherung in mehreren Projekten gesenkt wurde, bieten digitale Baumkataster aktuelle Möglichkeiten, die CO2-Bindung besser nachvollziehen zu können. Umfragedaten und Biomassemodelle helfen dabei, Unterschiede in der Speicherleistung von Baumarten sichtbar zu machen und Empfehlungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung zu formulieren.
In diesem Sinne eröffnen die Erkenntnisse der Studien für städtische Grünflächen- und Baummanagement eine vielversprechende Perspektive. Die Erhöhung der Baumartenvielfalt und die Verbesserung der Wuchsbedingungen sind essenzielle Schritte, um den Klimaschutz aktiv zu unterstützen und die Städtelandschaften grüner und gesünder zu gestalten.