In der Universität Greifswald nimmt die Studentin und Künstlerin Greta Gebhardt ein mutiges und eindringliches Projekt ins Visier: Mit ihrer Arbeit „Leerstellen“ macht sie auf das drängende Problem der geschlechtsspezifischen Gewalt aufmerksam. Am 9. März, im Rahmen des „Global Women*s General Strike“, wird sie eine Litfaßsäule mit einem Plakat enthüllen, das die Verdrängungstendenzen dieser Thematik in der Gesellschaft deutlich sichtbar macht. Auf diesem Plakat sind die 360 Femizide, die im Jahr 2023 in Deutschland stattfanden, in Form von Leerräumen dokumentiert. So veranschaulicht sie, dass hinter jeder Zahl eine betroffene Person steht, oft allein gelassen und in der öffentlichen Debatte nicht ausreichend repräsentiert, wie uni-greifswald.de berichtet.
Gebhardt, die im Sommersemester 2025 im Seminar „Public Art“ unter der Leitung von Prof. Rozbeh Asmani lernte, kritisiert die häufige Unsichtbarkeit von geschlechtsspezifischer Gewalt, die im Jahr 2023 mit einem Anstieg der Frauenfeindlichkeit um 56,3 % laut BKA-Lagebild einherging. Häusliche Gewalt stieg um 5,6 % und sexualisierte Gewalt um 6,2 %. Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch höher, und die gesamtgesellschaftlichen Haltungen haben eine signifikante Wirkung auf die Anzeigebereitschaft von Betroffenen, wie die bpb.de hervorhebt.
Leerstelle als Kunstwerk und Aufruf zur Reflexion
„Leerstellen“ ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Aufruf zur gesellschaftlichen Reflexion. Gebhardt thematisiert dabei die „Modern Gender Gap“, die konservative Haltungen bei jungen Männern im Gegensatz zu liberaleren Positionen bei jungen Frauen beschreibt. Ihre Aktion wird am 9. März um 15:00 Uhr mit einer Mahnwache ergänzt, bei der Kerzen entzündet werden können, um den Opfern von geschlechtsspezifischer Gewalt zu gedenken und auf die Dringlichkeit des Themas aufmerksam zu machen.
Obwohl es rechtliche Rahmenbedingungen wie das Gewaltschutzgesetz und die Istanbul-Konvention gibt, sind diese oft nicht ausreichend in der Praxis umgesetzt, insbesondere wenn es um die Unterstützung von Frauen mit Mehrfachdiskriminierungen geht. Frauen, die von Gewalt betroffen sind, benötigen Zugang zu Schutzunterkünften, und aktuell sind viele Frauenhäuser in Deutschland überbelegt. Schätzungen des Deutschen Instituts für Menschenrechte besagen, dass es 2023 in Deutschland mindestens 909 versuchte oder vollendete Femizide gab, wobei täglich 2 bis 3 mögliche Fälle vermutet werden, wie statista.com berichtet.
Steigende Gewalt – Ein gesamtgesellschaftliches Anliegen
Die steigende Gewalt gegen Frauen ist ein Alarmzeichen, das nicht ignoriert werden kann. Etwa 71 % der 256.000 Opfer von häuslicher Gewalt im Jahr 2023 waren weiblich, und die Umstände, unter denen diese Gewalt häufig stattfindet, sind oft traumatisierend und beinhalten nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch psychische Übergriffe. Der Ansatz von Gebhardt ist daher mehr als zeitgemäß: Kunst als Mittel zur Sensibilisierung und zur Stärkung öffentlicher Diskurse. Sie zeigt, dass die Auseinandersetzung mit dieser Problematik notwendig ist, um Veränderungen herbeizuführen und Frauenrechte zu stärken.



