Wer hätte gedacht, dass man in der Uni einfach mal so fair gehandelten Kakao naschen kann? Im Campus der Universität Hohenheim in Stuttgart stehen die beliebten Fair-o-Maten, die rund um die Uhr mit köstlichen Schokoriegeln, Nussriegeln, Schokoladentafeln und Keksen bestückt sind. Diese nachhaltige Initiative stammt von Studierenden und erfreut sich besonders während der Klausurphase großer Beliebtheit. Die Automaten, die seit 2014 auf dem Campus stehen, wurden 2025 technisch aufgerüstet, um den steigenden Kakaopreisen gerecht zu werden.

Die Fair-o-Maten sind nicht nur ein Schlaraffenland für alle Naschkatzen, sondern auch ein Zeichen für Verantwortung und Nachhaltigkeit. Die Evangelische Studierendengemeinde Deutschland (ESG) zeichnete die Automaten mit dem „Grünen Hahn“ aus, einem Gütesiegel für nachhaltige Initiativen. Zudem hat der Arbeitskreis Nachhaltigkeit an der Universität die Verantwortung für die Befüllung und den Betrieb der Automaten inne. Julia Mittermeier, die im Arbeitskreis aktiv ist, hebt hervor, dass viele Studierende möglicherweise gar nicht wissen, dass die angebotenen Produkte fair gehandelt sind.

Engagement für faire Preise und Transparenz

Ein wichtiger Aspekt der Fair-o-Maten ist die Sicherstellung fairer Handelsbedingungen. Diese schlagen sich nicht nur in der Qualität der Produkte nieder, sondern auch in der transparenten Preispolitik. Die Preise wurden zuletzt angepasst, da die Kakaoernte unter Druck steht und viele der Produzenten in Ländern wie Ghana, Elfenbeinküste, Indonesien und Brasilien oft nicht für ihre harte Arbeit entschädigt werden. RegioSchutz macht darauf aufmerksam, dass Kinderarbeit in diesen Ländern in der Vergangenheit weit verbreitet war, vor allem während der Zeit als die Kakaopreise stark gefallen sind. Kinder wurden häufig als billige Arbeitskräfte eingesetzt, was soziale Ungerechtigkeit und Armut weiter befeuerte.

Die Fair-o-Maten bieten nicht nur Snacks, sondern auch ein Bewusstsein für die Hintergründe des Kakaoanbaus. Die Georg-Eckert-Stiftung, die sich mit fairen Preisen sowie nachhaltigen Praktiken beschäftigt, unterstützt die Produkte der GEPA, die den Produzenten über dem Weltmarktpreis zahlen. Auf diese Weise fließen nicht nur Einnahmen aus den Automaten in die Wiederbeschaffung neuer Produkte, sondern helfen auch dabei, soziale Projekte im globalen Süden zu unterstützen. Das Engagement bezieht sich somit nicht nur auf den eigenen Campus, sondern hat auch globale Auswirkungen.

Nachhaltigkeit im Hochschulalltag

Zusätzlich zu den Fair-o-Maten engagiert sich die Ökumenische Hochschulgemeinde Hohenheim mit weiteren Programmen für nachhaltige Ernährung. Ein herausragendes Beispiel ist das „Fair-Bike“, das jeden Mittwoch fair gehandelte GEPA-Produkte vor der Mensa verkauft. Ein besonderes Highlight ist der Kaffee in der Thomas-Münzer-Scheuer: Dank ehrenamtlicher Mitarbeit ist dieser günstiger als in der Mensa, und täglich werden dort etwa 1,5 Kilo Kaffeepulver – das entspricht etwa 25 Litern köstlichem Kaffee – ausgeschenkt.

Prof. Dr. Dr. Sascha Venturelli fördert ebenfalls den Fair-Trade-Gedanken, indem er Studierende in seinen Vorlesungen mit fairer Schokolade belohnt. Das klingt nach einer köstlichen Motivation zur aktiven Teilnahme. Wohl auch deshalb, weil Julia Mittermeier und Venturelli überzeugend für den Wechsel von konventioneller zu fairer Schokolade plädierten.

In der Kombination von fairen Produkten und nachhaltigen Initiativen zeigt die Universität Hohenheim, wie Hochschulen einen bleibenden positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben können. Der Genuss von fair gehandeltem Kakao ist damit nicht nur eine kleine Freude in der Vorlesungspause, sondern auch ein Schritt in die richtige Richtung für eine gerechtere Welt.