Die Welt sieht sich einer alarmierenden Gesundheitskrise gegenüber: Antibiotikaresistenzen (AMR) stellen eine der größten Bedrohungen für die medizinische Versorgung des 21. Jahrhunderts dar. In aktuellen Berichten wird festgestellt, dass die falsche und übermäßige Nutzung antibakterieller Wirkstoffe entscheidend zur Entwicklung resistenter Bakterien beiträgt. Dies könnte uns in eine postantibiotische Ära führen, in der selbst harmlose Infektionen unbehandelbar sind, warnt die Universität Kiel.
Ein besorgniserregender Blick in die Zukunft: Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten laut Schätzungen jährlich rund 50 Millionen Menschen weltweit aufgrund von AMR sterben. Gerade in Zeiten, in denen die globalen Gesundheitssysteme unter Druck stehen, ist dies eine düstere Prognose, die dringend Handlungsbedarf signalisiert.
Die Rolle von Institutionen und neuen Projekten
Internationale sowie nationale Gesundheitsorganisationen arbeiten intensiv an Gegenmaßnahmen, um die Nutzung bestehender Wirkstoffe zu optimieren und neue Medikamente zu fördern. Im Rahmen des AMR-PLAS-Projekts, das in Borstel und Kiel durchgeführt wird, wird die genominische sowie nicht-genomische Plastizität von Bakterien untersucht. Diese beiden Ansätze sind entscheidend, um zu verstehen, wie Bakterien sich rasch an Antibiotikabehandlungen anpassen können.
Wissenschaftler fokussieren sich dabei auf klinisch relevante Krankheitserreger wie die ESKAPE-Pathogene und Mycobacterium tuberculosis. Mithilfe von Bioinformatik, Statistik und künstlicher Intelligenz soll ein besseres Verständnis für die Mechanismen von Resistenzen entwickelt werden, mit dem Ziel, verbesserte Diagnosewerkzeuge zu schaffen und Strategien zur Reduzierung von Antibiotikaresistenzen zu erarbeiten. AMR-PLAS ist das zweite große Kooperationsprojekt der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Forschungszentrums Borstel, nach dem vorherigen EvoLUNG-Projekt, das die Integration der Evolutionstheorie in die Lungenforschung untersuchte.
Globale Perspektiven auf Antibiotikaresistenzen
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefährden antibiotikaresistente Erreger die Wirksamkeit lebensrettender Behandlungen, und die Situation ist besonders in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen alarmierend. Ein neuer Report, der auf Meldezahlen aus dem Jahr 2023 basiert, zeigt, dass jede sechste im Labor bestätigte bakterielle Infektion von resistenten Erregern verursacht wird. Diese Daten stammen aus dem WHO-Programm GLASS, das seit 2015 existiert und die Resistenzraten in 104 Ländern erfasst.
Die Zahlen sprechen für sich: Über 40% der Escherichia coli- und 55% der Klebsiella pneumoniae-Bakterien sind gegen gängige Antibiotika resistent. Besonders in afrikanischen Ländern kann die Resistenzrate sogar über 70% liegen. Dies hat zur Folge, dass die Wirksamkeit von Erstlinientherapien bei häufigen Infektionen zunehmend eingeschränkt wird. Die WHO fordert daher dringend, die Gesundheitssysteme zu stärken und den Zugang zu Diagnostik und Behandlung zu verbessern.
Die Zusammenarbeit zwischen akademischer und klinischer Forschung, Industrie und öffentlichen Förderprogrammen wird als notwendig erachtet, um die Entwicklung neuer Antibiotika voranzutreiben. Es ist klar, dass gegen die wachsende Bedrohung der Antibiotikaresistenzen gezielte Maßnahmen ergriffen werden müssen, um in der Zukunft die Wirksamkeit von Antibiotika und damit die Gesundheit der globalen Bevölkerung sicherzustellen.



