In den sanften Hügeln von Jütland, einem der geschichtsträchtigsten Gebiete Südskandinaviens, gibt es viel zu entdecken. Seit über 150 Jahren befassen sich Forscherinnen und Forscher mit den Geheimnissen dieser Region und deren Verbindungen zu europäischen Handelsnetzwerken. Eine zentrale Frage bleibt jedoch: Wie war es um die Landwirtschaft während der Bronzezeit bestellt?
Ein wichtiger Ort für diese Untersuchungen ist Bjerre in Nordjütland. Hier untersucht die Archäologin Fiona Walker-Friedrichs von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die frühzeitlichen landwirtschaftlichen Praktiken. Besonders spannend sind die neuen Erkenntnisse, die sie und ihr Team bei den Ausgrabungen gewonnen haben. Bjerre gehört zu den am besten dokumentierten bronzezeitlichen Anlagen in Jütland und bietet Einblicke in Siedlungsplätze und Ackerflächen, die zwischen 1500 und 500 v. u. Z. genutzt wurden. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Environmental Archaeology veröffentlicht.
Ein Blick auf die Funde
Zu den interessanten Funden zählen verkohlte Getreidekörner von Emmer, Dinkel, Nacktgerste und Nacktweizen. Diese Pflanzen spielten eine zentrale Rolle in der Ernährung der damaligen Bevölkerung. Analysen der stabilen Kohlenstoff- und Stickstoffisotope in den Getreidekörnern zeigen allerdings, dass die Düngung über die Bronzezeit hinweg gering war.
Die Bewirtschaftungsstrategie in Bjerre war vorwiegend extensiv und deutet darauf hin, dass es keine Anzeichen für Überschussproduktion gab. Die Landwirtschaft war weitgehend autark, was bedeutet, dass die Erträge in erster Linie dem Eigenbedarf dienten. Interessanterweise zeigt die Forschung, dass der Arbeitsaufwand in der späten Bronzezeit anstieg, ohne dass die Düngungsintensität entsprechend zunahm. Dies gibt Anlass zur Vermutung, dass andere Faktoren in der Landwirtschaft eine Rolle spielten, die bis dato noch nicht umfassend erforscht sind.
Regionaler Kontext
Im Vergleich zu anderen bronzezeitlichen Siedlungen in Dänemark zeigt Bjerre, dass es verschiedene Düngeintensitäten gab. Dies weist auf lokale Anpassungen hin und lässt vermuten, dass spezialisiertes Wissen über die Anbaumethoden in der Region herrschte. Um genauere Aussagen zur bronzezeitlichen Landwirtschaft in Südskandinavien treffen zu können, sind jedoch weitere regionale und lokale Studien notwendig.
Die archäologischen Funde in Bjerre stehen auch im Kontext der Grabhügel, die aus dieser Zeit stammen und einen Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen geben. Grabhügel, auch Tumuli genannt, sind Erdaufschüttungen, die Grablegen oder Monumente enthalten. Sie können vielfältige Bestattungspraktiken zeigen, von Körperbestattungen bis hin zu Urnengräbern. Solche Monumente sind in Europa von der Steinzeit bis ins Mittelalter zu finden und spiegeln sowohl die Totenverehrung als auch die Hierarchisierung der Gesellschaft wider. In Dänemark sind beispielsweise etwa 86.000 Grabhügel registriert, viele davon aus der Bronzezeit.
Die Erkenntnisse von Walker-Friedrichs sind nicht nur für die archäologische Forschung von Bedeutung, sie könnten auch Analogien für heutige nachhaltige Anbausysteme bieten. Jütlands Vergangenheit könnte dazu beitragen, Fragen der Gegenwart neu zu denken.
Insgesamt gibt es also noch viel zu lernen über die Landwirtschaft der nordischen Bronzezeit – ein spannendes Forschungsfeld, das sowohl die Geschichte der Region als auch die Entwicklung ihrer kulturellen Identität beleuchtet. Bleiben wir also dran, was die kommenden Ausgrabungen und Studien noch ans Licht bringen werden.