Die Drogengewalt in Mexiko ist ein komplexes und besorgniserregendes Thema, das in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen ist. Ein bedeutender Faktor für diese Entwicklung war die Einführung des Freihandelsabkommens NAFTA im Jahr 1994. Eine Studie von Erik Hornung und Co-Autoren von der Universität zu Köln zeigt, dass die Tötungsdelikte in Gemeinden entlang von Drogenhandelsrouten im Alter von 15 bis 39 Jahren um 2,1 Fälle pro 100.000 stiegen, was einen Anstieg von 26 % bedeutet. In Regionen ohne solche Routen blieb die Zahl hingegen stabil, was den Einfluss der Drogenkriminalität verdeutlicht. Aufgeschlüsselt nach Regionen konzentrierte sich der Anstieg in Gebieten mit hohem Handelsvolumen, insbesondere in der Nähe von Grenzübergängen zu den USA.
Der Anstieg der Drogen- und Gewaltkriminalität hängt eng mit der Verdopplung der mexikanischen Exporte in die USA und dem wachsenden Lkw-Verkehr nach NAFTA zusammen. Diego Hornung hebt hervor, dass die kontrollierten Güterströme den Drogenkartellen einen vielversprechenden Glücksspielraum gaben, um illegale Substanzen zu transportieren, versteckt in legalen Waren. Diese profitable Situation hat auch zu einem gewaltsamen Wettbewerb um Schmuggelrouten geführt, während alternative Erklärungen, wie ein erhöhter Handelswettbewerb im Agrarsektor, nicht den gewünschten Rückhalt fanden.
Waffen und die Ursachen der Gewalt
Ein weiterer zentraler Aspekt ist der Waffenschmuggel von den USA nach Mexiko, der einen enormen Einfluss auf die Drogengewalt hat. Trotz strenger Waffengesetze in Mexiko stammen rund 70 % der Waffen aus den USA. Jährlich werden ca. 200.000 Waffen illegal nach Mexiko geschmuggelt, oft in kleinen Mengen, versteckt in Fahrzeugen oder Möbeln. Dabei spielen die grenznahen US-Bundesstaaten, insbesondere Texas, eine entscheidende Rolle. Die Vereinbarung zwischen den USA und Mexiko zur Bekämpfung des Waffenschmuggels wurde bisher ohne konkreten Plan umgesetzt, was die Situation nur verschärft.
Die mexikanische Regierung geht in dieser alarmierenden Situation rechtlich gegen Waffenhersteller vor, um Verantwortlichkeiten zu klären. Trotz aller Bemühungen bleibt die Lage angespannt, und durchschnittlich sterben in Mexiko täglich etwa 100 Menschen gewaltsam, oft infolge von Konflikten zwischen den Drogenkartellen. Diese Hinweise verdeutlichen die Dringlichkeit eines kohärenten Ansatzes zur Bekämpfung der Gewalt.
Niedergang von Drogenboss „El Mencho“
Die Situation verschärfte sich weiter mit dem Tod von Nemesio Oseguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“. Er war der Anführer des Jalisco Nueva Generación Kartells (CJNG), und sein Tod hat in verschiedenen Bundesstaaten Mexikos eine Welle der Gewalt ausgelöst. Nach seiner Festnahme wurden Straßen blockiert, und es kam zu Angriffen auf Banken und Geschäfte. Allein bei den Kämpfen um seine Festnahme sind mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen.
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat als Antwort darauf rund 10.000 Soldaten mobilisiert, um der Gewalt entgegenzuwirken. Trotz einer vorübergehenden Wiederherstellung der Sicherheit in betroffenen Gebieten bleibt die Situation angespannt, insbesondere in Verbindung mit der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft, die in Mexiko, den USA und Kanada stattfinden wird. Insgesamt sind etwa 20 der 32 Bundesstaaten von den gewaltsamen Auseinandersetzungen betroffen, und das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen Reisen in diese Regionen.
Die Entwicklung der Drogengewalt in Mexiko zeigt, wie eng wirtschaftliche Abkommen und Sicherheitsfragen miteinander verknüpft sind. Die aktuellen Herausforderungen erfordern umfassende Lösungen, um den Teufelskreis aus Drogenhandel und Gewalt zu durchbrechen, und das nicht nur in Mexiko.
Weitere Informationen zu den Auswirkungen des Freihandelsabkommens NAFTA auf die Gewaltkriminalität in Mexiko können Sie in dem Artikel von der Universität zu Köln nachlesen. Für tiefergehende Hintergründe zum Waffenschmuggel besucht bitte die Tagesschau. Informationen zur aktuellen Gewaltlage und zur Situation nach dem Tod von „El Mencho“ findet Ihr bei BR.de.