Die Arktis ist nicht nur ein faszinierendes, sondern auch ein äußerst empfindliches Ökosystem. Mit der internationalen Forschungsinitiative COMPEX (Clouds over complex environment) wird nun ein weiterer wichtiger Schritt unternommen, um die dynamischen Prozesse in dieser Region besser zu verstehen. Die am 13. März 2026 gestartete Kampagne, geleitet von Dr. Mario Mech vom Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln, hat sich zum Ziel gesetzt, die Interaktionen zwischen Wolken und dem vielschichtigen Meereis in der Arktis genauer zu untersuchen.
Die Untersuchung konzentriert sich insbesondere auf die Eigenschaften von Wolken, die von Satelliten nicht erfasst werden können. Diese Daten sollen dazu beitragen, die rasante Erwärmung der Arktis besser zu verstehen. Die Ergebnisse der Kampagne werden somit einen wertvollen Beitrag zur Forschung liefern, die immer dringlicher wird, da die Arktis als wichtiger Klimaregulierer für die nördliche Hemisphäre gilt und das Wetter in Europa und Deutschland maßgeblich beeinflusst.
Messungen und Technologien
Insgesamt sind Universitäten aus Leipzig sowie das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in die Forschungsinitiative eingebunden. Die Messungen erfolgen an Bord des Polarflugzeugs Polar 5, das vom Alfred-Wegener-Institut bereitgestellt wird. Der Ausgangspunkt der Flüge ist Longyearbyen auf Spitzbergen. Zwischen dem 13. März und dem 15. April 2026 sind insgesamt 80 Flugstunden geplant, um zu dieser entscheidenden Jahreszeit, wenn das Meereseis seine maximale Ausdehnung erreicht, präzise Daten zu sammeln.
Verschiedene hochmoderne Instrumente sind an Bord des Flugzeugs: Radargeräte, Radiometer sowie Sensoren für Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind werden zum Einsatz kommen. Die gewonnenen Daten sollen dabei helfen, zentrale Prozesse im arktischen Klimasystem und die Wechselwirkungen zwischen Wolken und Meereis genauer zu beschreiben.
Die Lage des Meereis
Aktuell bedeckt das Meereis rund sieben Prozent der Weltmeere. Seine Funktionen sind vielseitig: Es wirkt als Kühlungselement für unseren Planeten, lenkt Ozeanströmungen und bietet Lebensraum für zahlreiche Spezies. Doch das Meereis schrumpft rasant durch die fortschreitende Erderwärmung. Der Rückgang hat weitreichende Konsequenzen, nicht nur für die Arktis selbst, sondern für das gesamte globale Klima. Trotz der Wichtigkeit dieser Region fehlen noch flächendeckende Forschungsdaten, was die wissenschaftliche Beobachtung und Vorhersage erschwert. Das Meereisportal bietet hilfreiche Informationen über die aktuelle Situation und die Auswirkungen des schwindenden Meereises.
Die Lufttemperatur in der Arktis steigt doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt, und Prognosen legen nahe, dass die Arktis zwischen 2030 und 2070 in den Sommermonaten regelmäßig eisfrei sein könnte. Dies birgt nicht nur Gefahren für die dort lebenden Ökosysteme und die Bewohner, sondern hat auch gravierende Folgen für das globale Klima.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert intensiv die Meeres-, Küsten- und Polarforschung, um die klimatischen Veränderungen besser vorhersagen zu können. Die internationale Zusammenarbeit wird hierbei als essenziell erachtet. Eine der beeindruckendsten Expeditionen in diesem Bereich war die MOSAiC-Expedition, die die größte Arktisexpedition aller Zeiten war und wertvolle Daten über die komplexen Wechselwirkungen im arktischen System lieferte.