Die Welt der Teilchenphysik macht einen großen Schritt nach vorn! Forschende der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Helmholtz-Instituts Mainz haben eine neuartige Radiofrequenzfalle entwickelt, die sowohl schwere Kalziumionen als auch leichte Elektronen einfangen kann. Mit dieser Technologie rückt die Erzeugung von Antiwasserstoff in greifbare Nähe, wie prisma.uni-mainz.de berichtet. Die Ergebnisse ihrer Studien wurden kürzlich in der Fachzeitschrift *Physical Review A* veröffentlicht.

Traditionell werden Paul-Fallen eingesetzt, um Teilchen einzufangen, und die Herausforderung bei der Synthese von Antiwasserstoff besteht darin, dass Antiprotonen und Positronen gleichzeitig gefangen werden müssen. Diese beiden Teilchen benötigen unterschiedliche Frequenzfelder: Positronen funktionieren am besten in GHz-Frequenzfeldern, während Antiprotonen stabil in MHz-Frequenzfeldern gehalten werden. In ihrem Experiment verwendeten die Forschenden Elektronen und Kalziumionen (40Ca+) als Platzhalter für die Antiteilchen.

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Die innovative Technik

Die neu entwickelte Zweifrequenz-Paul-Falle erzeugt gleichzeitig Magnetfelder im GHz- und MHz-Bereich. Dies geschieht durch die Kombination von drei übereinander angeordneten Leiterplatten, die durch Keramik-Abstandshalter getrennt sind. Die mittlere Platte enthält einen koplanaren Wellenleiter-Resonator für das GHz-Frequenzfeld, während die oberen und unteren Platten segmentierte Gleichstromelektroden für das MHz-Frequenzfeld bereitstellen.

Die Teilchen entstehen durch ein zweistufiges Laserverfahren, das die Photoionisierung neutraler Kalziumatome nutzt. Interessanterweise können die Teilchen für Zeiträume von Millisekunden bis mehreren Sekunden in der Falle gehalten werden. Jedoch spielt die Amplitude des Niederfrequenzfeldes eine wichtige Rolle, da Elektronen empfindlicher darauf reagieren als Ionen. Mechanische Herausforderungen wie Oberflächenrauheit und elektrostatische Aufladung könnten die Effektivität der Falle beeinträchtigen. Zukünftige Geräte sollen mit lasergeätzten, glatteren Elektroden ausgestattet werden, die auch eine bessere thermische Stabilität bieten.

Fortschritte in der Antimaterieproduktion

Die Entwicklungen in Mainz stehen im Kontext einer beschleunigten Antimaterieproduktion am CERN. Hier ist es mittlerweile möglich, über Nacht 15.000 Antiwasserstoffatome zu erzeugen, was eine Verachtfachung der Geschwindigkeit im Vergleich zu früheren Methoden darstellt. Früher benötigten die Forschenden mehr als zehn Wochen, um lediglich 16.000 Antiwasserstoffatome zu produzieren. Diese beachtlichen Fortschritte wurden unter anderem durch das Beigeben lasergekühlter Beryllium-Ionen ermöglicht, welche die Abkühlung der Positronen beschleunigen und so die Bildung von Antiwasserstoff wahrscheinlicher machen, wie heise.de berichtet.

Die neueste Methode zur Antimaterieproduktion wird in einem Artikel im Fachmagazin *Nature Communications* vorgestellt und ermöglicht präzisere Messungen in kürzerer Zeit. Zwischen 2023 und 2024 wurden bereits über zwei Millionen Antiwasserstoffatome produziert. Diese Daten liefern wichtige Erkenntnisse über den Einfluss der Gravitation auf Antimaterie und werden zudem genutzt, um die logistischen Herausforderungen des Transports von Antimaterie zu Forschungseinrichtungen in Europa zu bewältigen.

Das Team aus Mainz plant, während der Weiterentwicklung ihrer Technik verschiedene Experimente durchzuführen, die theoretische physikalische Konzepte überprüfen. Die Aussicht, Antiprotonen und Positronen einzufangen und Antiwasserstoff zu erzeugen, könnte nicht nur unser Verständnis von Materie und Antimaterie erweitern, sondern auch grundlegend neue Perspektiven in der Teilchenphysik eröffnen.