Eine neue Ära der Forschung zur Künstlichen Intelligenz (KI) beginnt an der Universität Marburg. Am 6. März 2026 gab Professor Dr. Daniel Braun die Gründung seiner Nachwuchsforschungsgruppe bekannt, die sich mit den Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt auseinandersetzt. Das Vorhaben wird über die nächsten drei Jahre mit 225.750 Euro von der Böckler-Stiftung unterstützt. Zentrale Forschungsfrage ist, wie Beschäftigte mehr Kontrolle und Überblick über KI-gestützte Entscheidungen in betrieblichen Abläufen behalten können.

Ein Beispiel, das die Relevanz dieser Thematik verdeutlicht, ist der Einsatz von KI in Banken zur automatisierten Bewertung der Kreditwürdigkeit. Hierbei bleibt die endgültige Entscheidung jedoch beim Menschen – ein Umstand, der zu einer eingeschränkten Transparenz führen kann, da Kreditprüfer oft nur eingeschränkten Zugang zu den zugrunde liegenden Entscheidungsprozessen haben. Das Ziel von Brauns Forschungsgruppe ist es, technische Verfahren und organisatorische Prozesse zu entwickeln, die Beschäftigten ermöglichen, aktiv am Design und am Einsatz von KI-Systemen mitzuwirken.

Interdisziplinäre Ansätze für eine sichere Arbeitswelt

Der Präsident der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Thomas Nauss, hebt hervor, wie wichtig es ist, die Auswirkungen von KI wissenschaftlich zu begleiten. In der aktuellen Diskussion um KI wird die Notwendigkeit eines Regulierungsrahmens zunehmend klar, insbesondere durch die europäische KI-Verordnung, die den Verbraucherschutz in den Mittelpunkt stellt. Hochrisikosysteme müssen demnach künftig eine menschliche Kontrollinstanz, auch als „Human-in-the-Loop“ bekannt, berücksichtigen. Diese regulatorischen Rahmenbedingungen unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgsamen und verantwortungsbewussten Integration von KI-Technologien in die Arbeitswelt.

Wie die BAuA anmerkt, bringt KI nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen mit sich. Der Einsatz von KI-Technologien in verschiedensten Bereichen, von Produkten bis hin zu Management-Tools, verändert die Anforderungen an Arbeit und Gesundheitsschutz merklich. Ein zentrales Anliegen besteht darin, algorithmisches Management so zu gestalten, dass es fair, transparent und arbeitsgerecht ist.

Die Dualität der Veränderungen durch KI

Die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt sind vielschichtig. Auf der einen Seite entstehen neue berufliche Tätigkeitsfelder und Kooperationsformen, auf der anderen Seite gibt es Befürchtungen hinsichtlich Arbeitsplatzverlusten. Diese Ambivalenz widerspiegelt sich in der Tatsache, dass während bis 2019 lediglich 6 % der Unternehmen in Deutschland KI einsetzten, Prognosen von einer tiefgreifenden Transformation der Arbeitswelt durch die Automatisierung und Vernetzung ausgehen.

Wie die bpb darstellt, wird der Einfluss von KI bereits in Bereichen wie Datenverarbeitung, Kundenbetreuung und sogar in der Produktion spürbar. Dabei wird auch sichtbar, dass Tätigkeiten, die zwischenmenschliche Interaktion oder Kreativität erfordern, weniger von Automatisierung betroffen sind. Die Technologie hat das Potenzial, Mitarbeiter zu unterstützen und die Effizienz zu steigern, birgt jedoch auch Risiken wie eine mögliche Arbeitsverdichtung und geringere Kontrolle für Beschäftigte.

Das Projekt rund um Professor Braun ist ein Schritt in die richtige Richtung, um den Herausforderungen und Chancen, die KI mit sich bringt, verantwortungsbewusst zu begegnen. Durch den Austausch mit Gewerkschaften und interdisziplinäre Zusammenarbeit sollen wichtige Perspektiven einfließen, um eine menschzentrierte Gestaltung der Technologie zu gewährleisten – denn letztlich steht das Wohl der Beschäftigten auf dem Spiel. Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe sind auf www.responsible-nlp.net zu finden.