In einem wegweisenden Forschungsergebnis hat ein Team der Philipps-Universität Marburg einen neuen Ansatz zur Behandlung von therapieresistentem, hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem Brustkrebs identifiziert. Heute, am 4. März 2026, berichtete die Universität, dass Tumorzellen, die gegen die gängigen CDK4/6-Inhibitoren resistent sind, eine unerkannte metabolische Verwundbarkeit aufweisen. Diese Erkenntnisse könnten einen Paradigmenwechsel in der Therapie dieser häufigen Krebsform darstellen, da etwa 70% aller Brustkrebserkrankungen zu diesem Subtyp gehören.
Die Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Cell Death & Disease veröffentlicht wurde, fokussiert sich auf die Mechanismen, die zur Resistenz nach anfänglich erfolgreicher Behandlung führen. Insbesondere zeigen die resistenten Zellen eine Überaktivierung des mTOR-Signalwegs, was zu einem Verlust der Fähigkeit führt, Energiemangel durch Autophagie zu kompensieren. Durch die gezielte Induktion von Energiestress mit Medikamenten wie Metformin und Dichloracetat wird schließlich der programmierte Zelltod in diesen Tumorzellen herbeigeführt.
Innovationen im Behandlungsansatz
Die Ergebnisse der Studie wurden im Rahmen der medizinischen Promotion von Luise von Wichert erarbeitet, unter der wissenschaftlichen Betreuung von Dr. Niklas Gremke und mit finanzieller Unterstützung von der von Behring-Röntgen Stiftung sowie der UKGM-Forschungsförderung. Diese neuen Erkenntnisse zielen darauf ab, Therapien individueller auf die spezifischen Tumoreigenschaften abzustimmen. Ein biologisch klar definierter Resistenz-Subtyp wurde identifiziert, was künftige Therapieentscheidungen erhebliche verbessern könnte.
Ein weiterer bedeutender Aspekt in der Behandlung von Brustkrebs ist die NATALEE-Studie, eine Phase-III-Studie, die den Einsatz von Ribociclib bei frühem Brustkrebs untersucht. Diese Studie vergleicht die adjuvante Gabe von Ribociclib – ein CDK4/6-Inhibitor – über einen Zeitraum von drei Jahren mit einem Placebo in Kombination mit einem nichtsteroidalen Aromatasehemmer. Dabei wurde festgestellt, dass Ribociclib in Tablettenform für drei Wochen eingenommen wird, gefolgt von einer Woche Pause. Die Resultate könnten wichtige Hinweise auf die Anwendbarkeit von CDK4/6-Inhibitoren in frühen Stadien der Erkrankung liefern.
Wirkungen und Nebenwirkungen
Bei der Behandlung mit Ribociclib gab es jedoch auch Herausforderungen. Fast 20% der Patientinnen brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen wie Neutropenie oder Leberschäden ab. Im Gegensatz zur MonarchE-Studie, die Abemaciclib bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall untersuchte, wird in der NATALEE-Studie Ribociclib auch bei Patientinnen ohne Lymphknotenmetastasen getestet. Diese Unterschiede in den Studien tragen zu einem besseren Verständnis der vielschichtigen Behandlungsmöglichkeiten von Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs bei.
Die zukünftigen Ansätze für die Therapie des HR+/HER2− Mammakarzinoms zeigen vielversprechende Entwicklungen. Die laufende Forschung zu CDK4/6-Inhibitoren und den untersuchten Molekülmechanismen, wie die Mutationen im PI3K/AKT/mTOR-Signalweg, wird dazu beitragen, die Herausforderungen der Resistenzbildung zu bewältigen. Die Möglichkeiten, molekular genetische Testungen nach Therapieversagen durchzuführen, eröffnen neue Chancen für eine individualisierte Medizin.
Insgesamt stellen diese Fortschritte in der Krebsforschung sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch für Patientinnen und Patienten einen Lichtblick dar, um die Behandlungsergebnisse signifikant zu verbessern und den Umgang mit dieser komplexen Krankheit weiter zu optimieren.