Am 17. März 2026 wurde der israelische Archäologe Oren Tal mit dem begehrten Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ausgezeichnet. Diese Ehrung wurde von Prof. Dr. Achim Lichtenberger vom Lehrstuhl für Klassische Archäologie an der Universität Münster vorgeschlagen. Lichtenberger und Tal pflegen eine über 20-jährige Zusammenarbeit, die in den letzten sieben Jahren besonders intensiv gestaltet wurde. Tal wird im kommenden Sommersemester an der Universität Münster lehren und forschen, wo er sein umfangreiches Wissen über die materielle Kultur in der südlichen Levante einbringen wird.
Tals Forschungsschwerpunkte liegen in der hellenistischen Epoche und der Perserzeit, insbesondere in Ländern wie Syrien, Libanon, Israel, Jordanien, Palästina und im türkischen Hatay. Seine Expertise machen ihn zu einem wichtigen Akteur in der Archäologie dieser geschichtsträchtigen Region, die in Bezug auf die hellenistische Zeit oft noch relativ unerforscht ist. Ein aktuelles Projekt, an dem er beteiligt ist, ist die Grabung in der Nähe von Beth She’an, die Teil des deutsch-israelischen Projekts „Tell Iztabba (Nysa-Skythopolis)“ ist.
Ein Blick auf die Hellenistische Epoche
Die hellenistische Zeit erstreckt sich von 336 v. Chr., dem Regierungsantritt Alexanders des Großen, bis 30 v. Chr., als Ägypten ins Römische Reich eingegliedert wurde. Während dieser Zeit erlebte die Region eine kulturelle Hellenisierung sowie den Einfluss orientalischer Elemente auf die griechische Kultur. Tals Arbeiten beleuchten Aspekte der hellenistischen Urbanität und materielle Kultur, was angesichts der bisher spärlichen Datenlage von enormer Bedeutung ist.
An der Universität Münster verfolgt Tal das Ziel, unpublizierte Grabungsergebnisse anderer Wissenschaftler zu veröffentlichen und sein Wissen über die persische sowie hellenistische Periode weiterzugeben. Schon jetzt hat er durch Vorträge auf dem Grabungsfeld das Interesse an diesen zentralen Themen geweckt.
Fachliche Hintergründe und Zukunftsausblick
Tals zahlreiche Publikationen, wie „Archaeology of Hellenistic Palestine“ und „Coinage of Philistia“, unterstreichen seine fundierte Auseinandersetzung mit der Materie. Außerdem leitet er das Apollonia-Arsuf-Ausgrabungsprojekt seit 2007 und ist Co-Leiter des Tell Iẓṭabba-Ausgrabungsprojekts. Seine Erforschung der frühen Münzprägung und der Wirtschaftssysteme der südlichen Levante trägt dazu bei, historisches Wissen über diese Region zu erweitern und zu vertiefen.
Mit der Ernennung zum Humboldt-Preisträger wird die spannende Zusammenarbeit zwischen Oren Tal und der Universität Münster ein neues Kapitel aufschlagen. Die Studierenden und Nachwuchswissenschaftler der Universität haben bereits besonderen Einfluss durch ihre Mitwirkung an den Grabungen gehabt, und die zukünftigen Forschungen Tals versprechen, wertvolle neue Erkenntnisse über die Kultur und Geschichte der hellenistischen Zeit zu liefern.