Wie steht es um die Verhütung in Deutschland? Ein Thema, das in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Seit 66 Jahren ist die „Pille“ die einzige konventionelle Verhütungsmethode für Frauen, während Männer bislang ohne ähnliches Pendant auskommen mussten. Doch das könnte sich bald ändern. Der Forschungsverbund Contraception.MS hat sich auf die Fahnen geschrieben, neue, nicht-hormonelle Verhütungsmethoden für beide Geschlechter zu entwickeln und erhält dafür eine Förderung von drei Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) berichtet die Medizinische Fakultät Münster.
Das Ziel des engagierten Teams ist ambitioniert: Es sollen Wirkstoffe entwickelt werden, die spezifisch Ionenkanäle in der Hülle menschlicher Spermien blockieren. Insbesondere die Ionenkanäle „CatSper“ und „Slo3“ stehen im Mittelpunkt der Forschung. Diese Kanäle spielen eine entscheidende Rolle beim Kalzium-Haushalt und der Beweglichkeit der Spermien. Durch deren Blockade könnte die Befruchtung von Eizellen verhindert werden, was die Entwicklung einer vollkommen neuen Verhütungsmethode für Männer zur Folge hätte.
Ein Wandel in der Verhütung
Doch nicht nur in der grundlegenden Forschung tut sich etwas. Auch die aktuellen Trends in der Verhütung zeigen, dass die gesellschaftlichen Einstellungen im Fluss sind. Im Februar 2024 stellte sich in Deutschland ein deutlicher Trendwechsel ein: Immer mehr Frauen lehnen die „Pille“ als Verhütungsmethode ab und suchen nach Alternativen. Das führte dazu, dass Kondome mittlerweile öfter eingesetzt werden als die „Pille“ informiert die DGGG.
Anforderungen an die Verhütungsmethoden sind klar umrissen. Zuverlässigkeit und mögliche Nebenwirkungen spielen eine große Rolle, aber auch die Umkehrbarkeit der Methode, ihre Akzeptanz und Verfügbarkeit sowie die Auswirkungen auf Sexualität und Libido. Erfreulicherweise zeigen die Entwicklungen, dass auch Männer bereit sind, mehr Verantwortung bei der Familienplanung zu übernehmen.
Vielfalt der Möglichkeiten
Die neue S2k-Leitlinie zu nicht-hormoneller Verhütung, die von mehreren Fachgesellschaften erstellt wurde, legt dar, welche Methoden zur Verfügung stehen. So werden natürliche Familienplanung, Laktationsamenorrhoe, Barrieremethoden und intrauterine Mittel wie kupferfreisetzende Pessare als sicheres Verhütungsmittel genannt. Die Leitlinie enthält 175 Seiten Informationen, die Ärztinnen und Ärzte dazu anregen sollen, ihren Wissenstand über nicht-hormonelle Optionen zu erweitern.
Zusätzlich macht die Leitlinie deutlich, dass Coitus interruptus als unsichere Methode nicht empfohlen wird. Auf der anderen Seite bieten Methoden wie Sterilisation eine hohe Sicherheit, erfordern jedoch eine umfassende Aufklärung über mögliche Risiken und Nebenwirkungen. Ziel der empfohlenen Maßnahmen ist nicht nur der Schutz vor ungewollten Schwangerschaften, sondern auch die Reduzierung des Risikos sexuell übertragbarer Infektionen.
Mit all diesen Entwicklungen und einer klaren Forschungsstrategie von Contraception.MS, werden Fortschritte in der Verhütungsforschung sichtbarer. Durch Fortschritte in der Technik wie Kryo-Elektronenmikroskopie und den Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Datenanalyse wird ein zielgerichtetes Wirkstoffdesign ermöglicht. Mit der dreijährigen Projektlaufzeit in diesem Bereich können wir gespannt sein, was in der Zukunft auf uns zukommt.