Die Integration von geflüchteten Athletinnen und Athleten in den deutschen Spitzensport ist ein Thema, das immer mehr Aufmerksamkeit erhält. Ein neues Forschungsprojekt mit dem Titel „Zwangsmigration und Spitzensport in Deutschland: Integrationsbedingungen aus Athlet:innen- und Sportsystemperspektive“ wird am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück durchgeführt. Es steht unter der Leitung von PD Dr. Enrico Michelini und wird in enger Kooperation mit Prof. Dr. Astrid Schubring von der Deutschen Sporthochschule Köln realisiert. Dieses Vorhaben wurde zudem vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert und zielt darauf ab, den Zugang von Athletinnen und Athleten mit Fluchterfahrung zu untersuchen.
Im Mittelpunkt der Forschung stehen Athleten, die aufgrund von Verfolgung, Krieg oder Gewalt geflohen sind. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die eine bessere Integration dieser Sportlerinnen und Sportler ins deutsche Spitzensportsystem ermöglichen. Dabei werden die sportlichen Lebenswege und Netzwerke in verschiedenen Disziplinen betrachtet, insbesondere in Schwimmen, Wasserball, Leichtathletik und Cricket. Das Projekt hat die spannende Aufgabe, zentrale Organisationen des Spitzensports zu analysieren und damit ein umfassendes Bild der Herausforderungen und Chancen zu liefern, die geflüchtete Athleten im deutschen Sportsystem erleben.
Methodische Herangehensweise
Die Methodik des Projekts umfasst biografisches Mapping, Netzwerkanalysen, leitfadengestützte Interviews sowie Dokumentenanalysen. Mithilfe dieser Ansätze sollen die individuellen Lebensgeschichten und sportlichen Erfahrungen der Probanden erfasst werden. Die anschließende Datenanalyse erfolgt durch inhaltsanalytische Auswertungen, die im Kontext von Pierre Bourdieus Feldtheorie interpretiert werden. Diese theoretische Perspektive ermöglicht es, die sozialen Dynamiken und Strukturen zu erfassen, die die Integration von geflüchteten Athleten beeinflussen, und legt dabei einen besonderen Fokus auf das Zusammenspiel von sozialem, kulturellem und ökonomischem Kapital.
Die Herausforderung, das Anwachsen der unterschiedlichen Integrationserfahrungen im Sport zu fassen, ist bedeutend. Historisch betrachtet, sind Migrantinnen im Sport oft von spezifischen Zugangshürden betroffen, die sich in ihrer Sportkarriere bemerkbar machen. Diese Aspekte werden durch verschiedene soziologische Theorien und Analysen, wie sie auch in der wissenschaftlichen Diskussion um die Zugangsproblematik für Migranten im Sport festgehalten sind, kontextualisiert und verstanden. Die Erkenntnisse aus diesem Forschungsprojekt könnten dazu beitragen, die Rahmenbedingungen für geflüchtete Athleten erheblich zu verbessern und deren Integration in den Sport zu erleichtern.
In Anbetracht der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ist das Thema nicht nur sportwissenschaftlich relevant, sondern auch von großer gesellschaftspolitischer Bedeutung. Die Förderung von Vielfalt im Sport sowie die Integration aller Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ist ein weitreichendes Ziel der Gesellschaft. Das Projekt „Zwangsmigration und Spitzensport in Deutschland“ bietet die Möglichkeit, auf die Bedürfnisse von geflüchteten Athleten einzugehen und zeigen, wie wichtig es ist, diese Leistungen wertzuschätzen. Wer mehr über die Fortschritte des Projekts erfahren möchte, kann sich direkt an Dr. Enrico Michelini unter der E-Mail-Adresse enrico.michelini@uni-osnabrueck.de wenden.
Diese Forschungen bringen nicht nur Licht in die Herausforderungen und Möglichkeiten für geflüchtete Sportler, sondern bieten insgesamt einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung der Integrationsstrategien im deutschen Spitzensport. Mehr dazu können Interessierte in den Berichten und Updates auf den Websites der beteiligten Institutionen nachlesen: Universität Osnabrück, idw-online.de sowie degruyterbrill.com.



