Die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arbeitswelt nimmt zunehmend Fahrt auf. Ein Kompetenzzentrum in Ostwestfalen-Lippe, das „Arbeitswelt.Plus“, hat in den letzten fünf Jahren daran gearbeitet, KI in kleinen und mittleren Unternehmen zu implementieren. Wie die Universität Paderborn in einem Bericht darlegt, fokussiert sich das Zentrum auf die Entwicklung von Erfahrungsberichten und Lösungsansätzen im Zusammenhang mit KI und Arbeit 4.0. So sollen die Herausforderungen und Chancen des digitalen Wandels gemeistert werden.

Ein zentraler Aspekt dieser Bemühungen ist die menschenzentrierte Gestaltung des Arbeitsplatzes und die Unterstützung von Change-Management-Prozessen. Professorin Dr. Kirsten Thommes betont die Bedeutung eines klaren Zielbildes für Digitalisierungs- und KI-Projekte. Neben technischen Lösungen wird Transparenz großgeschrieben, um die Mitarbeitenden aktiv in den Prozess einzubeziehen. Sie sollten in sicheren Lernumgebungen Erfahrungen sammeln und auch Fehler machen dürfen.

Innovative Methoden zur Wissensnutzung

Ein weiteres Highlight im Rahmen des Kompetenzzentrums ist die Arbeitsgruppe „Data Science“ (DICE) am Heinz Nixdorf Institut. Diese entwickelt Methoden zur automatischen Wissensextraktion und für eine semantische Suche, die es ermöglicht, Inhalte aus technischen Dokumenten und Erfahrungswissen strukturiert aufzubereiten. Das Ziel: Aktive Unterstützung bei der Lösung von Fragen, die Bedienende in eigenen Worten formulieren.

Auf der Informationsplattform www.arbeitswelt.plus sind die Ergebnisse und Best-Practice-Beispiele einsehbar. Die Plattform bietet zudem Vorträge, Schulungen und Handlungsleitfäden zur Weiterbildung der Beschäftigten im Umgang mit KI-Technologien an. Ein Beispielprojekt, das die praktische Relevanz verdeutlicht, ist „Maschinelles Lernen zur Optimierung des Sicherheitsbestands in Produktions- und Distributionsnetzwerken“ (ML4SafetyStock). Hierbei arbeiten Paderborner Wirtschaftsinformatiker und das Unternehmen OPTANO zusammen, um Disponent*innen bei der Festlegung robuster Lagerstrategien zu unterstützen, indem sie „Reinforcement Learning“ zur Analyse komplexer Netzwerkstrukturen einsetzen.

Der Mittelstand und die KI-Relevanz

Doch wie steht es um den deutschen Mittelstand im Hinblick auf KI? Eine aktuelle Studie von Deloitte hat ergeben, dass viele kleinere Unternehmen noch Nachholbedarf im KI-Einsatz haben. Bei einer Befragung von 307 Entscheidern aus mittelständischen Unternehmen stellte sich heraus, dass 30% der Befragten KI eine mittlere, während 34% eine niedrige oder sogar sehr niedrige Relevanz zuschreiben.

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Trotz dieser Zurückhaltung zeigen 59% der Teilnehmer Optimismus und erwarten, dass die Bedeutung von KI in der Zukunft steigen wird. Die größte Herausforderung im Mittelstand scheint der Kompetenzmangel zu sein: 65% der Befragten sahen dies als Haupthindernis. Zudem berichten 52% von Problemen bei der Implementierung und Datenqualität.

Finanzielle Aspekte und Ausblick

Der Mittelstand ist sich der Vorteile von KI bewusst. 77% der Befragten erhoffen sich durch die Automatisierung von Prozessen Effizienzgewinne, und 72% sehen ein Potenzial in der verbesserten Datennutzung. Dennoch geben 58% an, KI als strategisch unbedeutend oder sehr unbedeutend einzustufen, während 22% sich als digital reif und 34% als digital unreif betrachten.

Mit einem medianen jährlichen Investitionsbudget von etwa 250.000 Euro für KI-Anwendungen, aus denen 41% mehr als 500.000 Euro ausgeben, haben viele Unternehmen die Absicht, ihre Budgets in naher Zukunft zu erhöhen – 38% der Befragten erwarten einen starken Anstieg.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kombination von wissenschaftlichen Ansätzen und praktischen Anwendungen im Raum Ostwestfalen-Lippe vielversprechende Ergebnisse erzielt. Der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wird sicherlich weiterhin entscheidend für die Innovationskraft sein. Das Kompetenzzentrum „Arbeitswelt.Plus“ und die Initiativen der Deloitte-Studie sind nur zwei Facetten eines vielschichtigen Themas, das sowohl Herausforderungen als auch enorme Potenziale in sich birgt.