Die sprachliche Vielfalt im deutschen Raum bleibt ein faszinierendes Feld der Forschung. Ein aktuelles Projekt der Universität Passau, das seit 2023 läuft, widmet sich genau dieser Thematik: Der Untersuchung grammatikalischer Variationen, insbesondere der Höhen und Tiefen zwischen den Hilfsverben „haben“ und „sein“. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Laufzeit des Projekts bis 2027 verlängert, daher steht die Projektnummer 509137817 im Fokus der Untersuchung.
Unterschiede in der Sprachverwendung sind nicht nur spannend, sie spiegeln auch tiefere gesellschaftliche und kulturelle Strömungen wider. Ein Beispiel dafür ist die Variation in der Formulierung „ich habe gesessen“ im Norden und „ich bin gesessen“ im Süden Deutschlands, wie uni-passau.de berichtet. Diese Diskrepanzen sind nicht nur auf den ersten Blick sichtbar, sondern bieten auch tiefere Einblicke in die Entwicklung der deutschen Sprache.
Das Projekt trägt den Titel „Freie und gebundene Variation in der Grammatik“ und hat die Laufzeit bis 2026. Ziel ist die detaillierte Analyse der Variation der Perfekthilfsverben „haben“ und „sein“ in der deutschen Gegenwartssprache. Überraschenderweise zeigt sich, dass die Variation bei diesen Verben größer ist, als bislang angenommen, und ältere Sprachformen eine noch größere Vielfalt präsentiert haben. uni-due.de hebt hervor, dass nicht nur bekannte Fälle wie die bei Positionsverben, sondern auch weniger typische Varianten wie „hat einen Weg eingeschlagen“ oder „ist etwas angegangen“ untersucht werden.
Diese linguistische Forschung wird durch eine spannende Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft der Universität Passau und der Universität Duisburg-Essen vorangetrieben. Die Projektleitung übernehmen die Professoren Dr. Melitta Gillmann und Dr. Alexander Werth. Unterstützt werden sie von einem Team, das aktuelle Entwicklungen im Bereich der Sprachforschung zusammenführt.
Ein weiterer Aspekt des Projekts ist die computergestützte Analyse großer Sprachkorpora, um die Verwendungskontexte der untersuchten Verben systematisch zu erfassen. Die Daten werden nicht nur annotiert, sondern auch nach semantisch-syntaktischen Merkmalen untersucht, um Einflussfaktoren auf die Hilfsverbwahl zu eruieren. Diese evidenzbasierte Herangehensweise verspricht Erkenntnisse über die Variation in diachroner und diatopischer Hinsicht.
Zusätzlich steht das Buch „Korpora in der germanistischen Sprachwissenschaft: Mündlich, schriftlich, multimedial“ im Vordergrund, veröffentlicht 2023 bei De Gruyter. Mit einem interdisziplinären Ansatz befassen sich die Autoren Arnulf Deppermann, Christian Fandrych, Marc Kupietz und Thomas Schmidt mit der Rolle der Korpora in der linguistischen Forschung, was den breiteren Kontext der laufenden Projekte unterstreicht und die Wichtigkeit von Sprachdaten in der modernen Linguistik verdeutlicht. Diese Materialien und die daraus gewonnenen Erkenntnisse können in zukünftigen Seminararbeiten oder Forschungsprojekten genutzt werden.
Die wertvolle Arbeit der Linguisten wird die Diskussion um das Verhältnis zwischen „haben“ und „sein“ weiter anheizen und uns interessante Einblicke in die sprachliche Landschaft Deutschlands ermöglichen. Die laufenden Projekte, einschließlich der Erschaffung eines YouTube-Korpus zur Analyse von Jugendsprache, zeigen, dass die Linguistik nicht stillsteht, sondern dynamisch und relevant bleibt.