Die Kunst, Literatur und der Film der Roma und Sinti stehen im Mittelpunkt einer bemerkenswerten Veranstaltungsreihe, die vom Passau International Centre for Advanced Interdisciplinary Studies, der Professur für Romanistik an der Universität Passau und dem Verein Ceija Stojka International Association ins Leben gerufen wurde. Diese Reihe zielt darauf ab, die Vielfalt und den Reichtum der kulturellen Ausdrucksformen dieser größten ethnischen Minderheit Europas zu würdigen. Über 12 Millionen Roma leben weltweit, davon etwa 10 Millionen in Europa. Auf das gesellschaftliche und künstlerische Erbe der Roma wird durch diverse Veranstaltungen im März 2026 aufmerksam gemacht.
Ein besonderes Highlight stellt die Ausstellung „Ceija Stojka: ‚Sage Ja zum Leben‘ – Träume, Hoffnung, Utopien“ dar, die vom 2. bis 24. März 2026 in der Zentralbibliothek der Universität Passau zu sehen sein wird. Diese Ausstellung zeigt sowohl Texte als auch Bilder der bedeutenden Künstlerin Ceija Stojka, die am 23. Mai 1933 in Kraubath an der Mur, Steiermark, geboren wurde und am 28. Januar 2013 in Wien verstarb. Sie war nicht nur eine Überlebende der nationalsozialistischen Konzentrationslager, sondern auch eine prägende Stimme in der Kunst- und Literaturszene Österreichs, die sich für die Belange der Roma stark machte, und die im internationalen Kontext ausstellte, unter anderem auch 2026 in New York und Besançon sowie 2027 im Museum Belvedere in Wien. Ihre Werke thematisieren sowohl die Schönheit der Natur als auch die düsteren Erlebnisse ihrer Vergangenheit, was sie zu einer wichtigen Persönlichkeit für die Roma- und Sinti-Emanzipationsbewegung macht.
Eröffnungsfeier und Workshops
Die Eröffnung der Ausstellung findet am 5. März 2026 um 18 Uhr statt. Die Veranstaltung wird mit Reden von Universitätsvertretern, Michelle Berger vom Verband deutscher Sinti und Roma sowie Romani Rose, dem Vorsitzenden des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, bereichert. Zudem wird Nuna Stojka, die Tochter von Ceija Stojka, aus deren Gedichten lesen, während die Band „Amenza Ketane“, gegründet von Ceija und ihrem Sohn Hojda Stojka, die musikalische Untermalung liefert.
Besonders interaktiv wird es am 4. März 2026 von 14:00 bis 16:00 Uhr beim Workshop „Hoffnung – Das war was uns stärkte“. Dieser Workshop zielt darauf ab, Aspekte von Optimismus, Toleranz und Resilienz im Leben von Ceija Stojka zu reflektieren. Durch eine Lesung von Nuna Stojka und Präsentationen über die Werke der Künstlerin wird ein Raum für Dialog und gemeinsames Lernen geschaffen. Die Teilnahme ist für alle Interessierten ab 11 Jahren kostenlos zugänglich.
Kolloquium zur Romanes Identität
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe findet außerdem vom 6. bis 7. März 2026 ein hybrides Kolloquium mit dem Titel „Dreams, Hopes, Utopias in Literature, Film, and Art by Roma and Sinti in Europe“ an der Universität Passau statt. Hier werden europäische und nordamerikanische Wissenschaftler und Künstler zusammenkommen, um einen theoretischen Rahmen zur Interpretation der Werke von Roma und Sinti zu entwickeln. Dieses Kolloquium wird nicht nur durch Forschung gekennzeichnet sein, sondern auch durch musikalische Darbietungen, Lesungen und Präsentationen von Originalwerken, was die kulturelle Tiefe und Vielfalt dieser Gemeinschaft eindrucksvoll widerspiegelt.
Ceija Stojka selbst ist ein Symbol für die Resilienz der Roma, die ihre traumatischen Erfahrungen aus dem Holocaust in Kunst und Literatur verwandelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sie sich in Wien nieder und veröffentlichte verschiedene Werke, die auf das Schicksal der Roma in den Konzentrationslagern aufmerksam machten. Ihre künstlerische Perspektive bietet nicht nur eine Therapie für sich selbst, sondern inspiriert auch zukünftige Generationen, sich gegen Diskriminierung zu behaupten. Die Bedeutung ihrer Kunst und ihrer Worte erinnert an die Herausforderungen und Triumphe der Roma-Gemeinschaft Passauer Universität sowie in der breiteren Gesellschaft.
Wer mehr über Ceija Stojka und ihre beeindruckende Lebensgeschichte erfahren möchte, kann interessante Einblicke in die Werke und den Kontext ihres Schaffens auf romarchive.eu finden. Ihr Erbe wird durch die 2018 gegründete Ceija Stojka International Association weitergetragen, die sich für die Bewahrung und Verbreitung ihres Lebenswerks einsetzt.