Das Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) der Universitätsmedizin Rostock und das Patent- und Normenzentrum (PNZ) der Universitätsbibliothek Rostock haben sich zusammengetan, um die Patentanmeldungen in der Medizintechnik weiter voranzutreiben. Diese Kooperation zielt darauf ab, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei den Herausforderungen der Patentanmeldung in innovativen Bereichen wie Biokompatibilität, Wirkstofffreisetzung, 3D-Druck und Sensorik unter die Arme zu greifen. Das IBMT hat sich bereits einen Namen als einer der Top-Anmelder bei Patenten der Universität Rostock gemacht und ist besonders in der Implantattechnologie aktiv.
Besonders hervorzuheben ist die Forschung des IBMT zu neuen Stentgenerationen. Diese kleinen Blutgefäßstützen werden kontinuierlich weiterentwickelt, einschließlich bioresorbierbarer Varianten, die sich im Körper auflösen können. Um diese Stents noch wirksamer zu machen, können sie mit speziellen Medikamenten beschichtet und mit Nanofaservlies-Strukturen ummantelt werden.
Patentanmeldungen sind ein Maß für Innovation
Deutschland hat sich traditionell als starker Innovationsstandort etabliert, insbesondere im Bereich der Medizintechnik. Wie eine Übersicht des BVMed-Instituts zeigt, sind Patentanmeldungen ein klarer Indikator für Forschungsaktivitäten und den Wissenszuwachs. So wurden zwischen 2012 und 2022 über 200.000 Patente beim Europäischen Patentamt eingereicht, wobei die Anmeldungen im Jahr 2020 einen Höhepunkt von über 21.000 erreichten.
Doch 2022 beobachtete man einen Rückgang um 12,4 % auf 18.447 Patente. Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig und reichen von den Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie über veränderte Patentstrategien bis hin zu einer Reduktion der Forschungstätigkeit. Die Analyse aus dem BVMed-Bericht zeigt auch, dass bestimmte Bereiche, wie „Diagnostik, chirurgische Instrumente und Abdeckungen“, 40 % der Patentanmeldungen ausmachen, gefolgt von „Vorrichtungen zum Einbringen von Substanzen in den Körper“ mit 33.000 Anmeldungen.
Wettbewerbsfähigkeit sichern
Ein zentrales Ziel der neuen Zusammenarbeit zwischen IBMT und PNZ ist es, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen aufrechtzuerhalten. Dr. Erik Schreiber und Anke Ruedel vom PNZ werden Forschende regelmäßig über aktuelle Änderungen in relevanten Normen informieren. Professor Niels Grabow verweist auf die Wichtigkeit, sich schnell mit den Standards zu positionieren, und Dr. Wolfram Schmidt nennt die Übersichtlichkeit amerikanischer Standards als positives Beispiel. Unterstützung bieten auch Lars Worm und Dr. Steffen Prignitz von der Universität Rostock Service GmbH, die bei der Markteinführung von Patenten helfen.
Insgesamt ist Deutschland im internationalen Vergleich ein führender Akteur bei Patentanmeldungen, auch wenn es jüngst hinter China und den USA zurückgefallen ist. Zwischen 2012 und 2022 stammten etwa 80 % der Patentanmeldungen von chinesischen Erfindern. Innerhalb der europäischen Patentlandschaft hat Deutschland dennoch eine starke Position, verantwortlich für 10 % aller europäischen Patentanmeldungen in der MedTech-Branche.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Normierung wird nun verstärkt, um die Innovationskraft Deutschlands zu sichern und den Technologie-Transfer in der Medizintechnik zu fördern. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Maßnahmen effektiv sind, um im internationalen Wettbewerb mit Ländern wie China und den USA mitzuhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass die MedTech-Branche in Deutschland bald wieder auf die Erfolgsspur zurückfindet.
Für weitere Details zu den Patentanmeldungen in der Medizintechnik können folgende Berichte konsultiert werden: Universität Rostock, BVMed, Ingenieur.de.