Eine umfassende Studie der Universität Tübingen, zusammen mit 18 weiteren Forschungseinrichtungen und Universitäten aus aller Welt, hat deutlich gemacht, wie tief menschliche Aktivitäten in die chemische Zusammensetzung der Weltmeere eingreifen. Die Ergebnisse wurden heute in der renommierten Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht und zeigen, dass in keinem der untersuchten 2.300 Meerwasserproben, die über mehr als zehn Jahre in den Bereichen Pazifik, Atlantik und Indischer Ozean gesammelt wurden, eine unberührte Stelle gefunden wurde. Dies gibt Anlass zur Sorge, denn die menschlichen chemischen Einflüsse sind bis über 20 Kilometer vor der Küste nachweisbar und in Küstengewässern machen sie bis zu 20 Prozent der organischen Substanzen aus, in extremen Fällen sogar über 50 Prozent in Flussmündungen.
Die Studie wurde von Hauptautoren Jarmo-Charles Kalinski und Daniel Petras von der University of California, Riverside, geleitet. Kalinski erklärt: „Das Fehlen von Daten bedeutet nicht, dass das Problem nicht existiert“. Die Analyse identifizierte 248 verschiedene menschliche Verbindungen, wobei Industriechemikalien wie Weichmacher und Schmiermittel die häufigsten Verunreinigungen darstellen. Im Vergleich dazu spielen Pestizide und pharmazeutische Verbindungen eine untergeordnete Rolle, insbesondere in Flussmündungen und Küstenregionen, wo der Anteil anthropogener Stoffe am größten ist.
Herausforderung Küstenmeere
Die Ergebnisse der Studie werfen einen klaren Blick auf die Belastungen, unter denen die Küstenmeere leiden. Laut den Forscher:innen sind diese Gewässer nicht nur für marine Ökosysteme, sondern auch für die globale Fischerei und den Kohlenstoffkreislauf von entscheidender Bedeutung.
In den stark belasteten Küstennahen Gewässern lassen sich Pestizide, Pharmazeutika und andere Industriechemikalien finden. Diese chemischen Verbindungen stammen zum Teil aus alltäglichen Aktivitäten, wie Fahrzeugemissionen, der Verwendung von Reinigungsmitteln und der Verpackung von Lebensmitteln. Durch die Kombination fortschrittlicher Massenspektrometrie-Methoden sowie skalierbarer Computerverfahren konnten die Wissenschaftler ein bisher unerreichtes Detailniveau erreichen.
Die Studie hat jedoch auch ihre Grenzen. Es bleibt festzustellen, dass die gesammelten Daten primär aus Nordamerika und Europa stammen, während große Datenlücken in der Südhalbkugel, in Südostasien, Indien und Australien bestehen. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit weiterer Forschung, um ein vollständiges Bild der menschlichen Einflüsse auf die Meere zu erhalten.
Langfristige Konsequenzen und Maßnahmen
Die langfristigen ökologischen Folgen der festgestellten chemischen Belastungen sind zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt und erfordern dringend weitere Analysen. Die Professorin Dr. Karla Pollmann, eine der Mitautoren, hebt hervor, dass die Verantwortung für das nachhaltige Handeln der Menschheit wesentlich ist. Hierbei ist es unerlässlich, die Meere nicht nur vor Schadstoffen zu schützen, sondern auch effektive Maßnahmen zur Anpassung an die sich verändernden Klimabedingungen zu ergreifen.
Die Berichte über den Zustand der Meere zeigen zudem, dass die Gewässer durch Erwärmung, Versauerung und Übernutzung gefährdet sind. Um die marine Biodiversität zu erhalten, sind naturnahe Küstenschutzmaßnahmen, wie die Ausweisung von Schutzgebieten und der Erhalt natürlicher Küstenhabitate, von großer Bedeutung. Diese tragen nicht nur zur Kohlenstoffspeicherung bei, sondern bieten auch Lebensräume für viele Arten und wirken der Erosion entgegen.
Hinsichtlich des Klimawandels und der damit verbundenen Herausforderungen ist es entscheidend, die Treibhausgasemissionen in sämtlichen Sektoren zu reduzieren. Auf individueller Ebene kann jeder durch Abfallvermeidung und die Unterstützung lokaler Schutzprojekte einen Beitrag zum Meeresschutz leisten, was letztlich auch für unsere Zukunft von Bedeutung ist. Gesundheitliche, ökologische und ökonomische Aspekte sind eng miteinander verknüpft, und die Dringlichkeit, jetzt zu handeln, könnte nicht größer sein.
Für die detaillierte Analyse und weitere Informationen zur Studie und ihrer Bedeutung für die Weltmeere lesen Sie die Studienveröffentlichung von Kalinski et al. (2025) in Nature Geosciences unter DOI: 10.1038/s41561-026-01928-z. Weitere Details über die Herausforderungen der Meere und den erforderlichen Schutz finden Sie auf der Webseite des Umweltbundesamtes.