Am 2. April 2026 verabschiedet sich ein prägender Kopf der Politischen Bildung in deutschen Hochschulen: Prof. Dr. Karl-Heinz Breier zieht sich in den sogenannten „Ruhegang“ zurück. Fast zwei Jahrzehnten war er an der Universität Vechta tätig, seit 2009 als Universitätsprofessor für Politische Bildung. Breier hat über 200 Politiklehrerinnen und -lehrer ausgebildet und damit einen nachhaltigen Einfluss auf die künftige Generation von Pädagogen in der Politikwissenschaft ausgeübt. Seine Lehrmethoden bezogen nicht nur die klassischen Politikdenker, sondern auch moderne Fragestellungen der politischen Teilhabe ein.
Ein einschneidender Moment in Breiers Laufbahn war der Tod seines geschätzten Kollegen Prof. Dr. Peter Nitschke, der nicht nur einen emotionalen, sondern auch praktischen Verlust für ihn darstellte. „Der Ruhestand ist für mich ein Schritt in eine neue Phase, und ich bin gespannt auf die Möglichkeiten, die vor mir liegen“, so Breier reflektiert über seine Zeit in Vechta.
Politik und das Politische
Breier sieht Politische Bildung nicht nur als bloße Wissensvermittlung, sondern als Bürgerbildung. Diese Sichtweise ist essenziell, wenn man die Rolle des Grundgesetzes und der inneren Verfassung für die politische Erziehung betrachtet. „Politische Bildung ist letztendlich die Fähigkeit, als Teil einer Gemeinschaft zu agieren und das eigene Handeln im politischen Kontext zu reflektieren“, erklärt Breier. In seinem neuesten Buch „Hannah Arendt im Gepäck. Sieben Wege zum Politischen“ hebt er verschiedene Zugänge zum Politischen hervor, die die Basis für das Verständnis der Gesellschaft bilden.
Diese Ansätze greifen die Unterscheidung zwischen „Politik“ und „Politischem“ auf, die in der Politikwissenschaft immer wieder diskutiert wird. Während „Politik“ das alltägliche Geschehen und die Institutionen umfasst, geht es beim „Politischen“ um die tieferliegenden Wesensmerkmale dieser Prozesse. Fragen wie „Wie kann ich mich gegen rassistische Angriffe wehren?“ oder „Wie funktioniert Diskriminierung?“ sind nicht nur theoretische Überlegungen, sondern laden dazu ein, aktiv zu handeln und Teil der politischen Sphäre zu werden. Hannah Arendt spielt hierbei eine Schlüsselrolle und definiert Politik als ein Fundament menschlicher Pluralität, in der der Dialog und das Handeln im öffentlichen Raum unabdingbar sind.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Breiers Karriere war geprägt von zahlreichen Höhepunkten, darunter Seminarveranstaltungen, Schulbesuche und seine beliebten Freitagvorlesungen. Bei seiner letzten Vorlesung erhielt er überraschende Ehrungen und wurde zu seinem 65. Geburtstag mit einer Festschrift geehrt. Trotz der Herausforderungen des letzten Lebensabschnitts, in dem der Verlust von Nitschke ihn besonders belastete, geht er mit Vorfreude in den Ruhestand. Seine Dankbarkeit gilt den universitären Weggefährten, die ihn in seiner Laufbahn begleitet haben.
Während Breier in den Ruhestand tritt, bleibt die Bedeutung seiner Arbeit in der politischen Bildung unübersehbar. Die Herausforderungen der heutigen Zeit verlangen nach einem inklusiven Ansatz in der politischen Bildung, um sicherzustellen, dass alle Stimmen ein Gehör finden. Nur so kann das zentrale Anliegen der politischen Bildung – die Ermöglichung einer aktiven Teilnahme an der Gesellschaft – verwirklicht werden. Dieser Prozess ist nicht nur für die Lehrenden, sondern auch für die Lernenden von Bedeutung, um eine gerechtere und inklusivere Gesellschaft zu gestalten.
Mit einem sichtbaren Interesse an zukünftigen Tätigkeiten und einer klaren Vision für die Zukunft hinterlässt Breier eine große Lücke, aber auch ein Erbe, das in der Politischen Bildung weitergetragen werden wird. Sein Engagement und seine Reflexionen zur Rolle der politischen Bildung werden auch weiterhin hohe Relevanz besitzen, um die Demokratie in all ihrer Vielfalt zu fördern.
Weitere Informationen über Prof. Breiers Abschied und seine Philosophie der Politischen Bildung finden Sie auf der Website der Universität Vechta hier und zu Hannah Arendt und deren Einfluss auf die politische Bildung können Sie diesen Artikel lesen.



