Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) hat in dieser Woche die erfreuliche Nachricht erhalten, dass sie in der dritten und finalen Auswahlrunde des Professorinnenprogramms 2030 ausgewählt wurde. Dies wurde von der Universität selbst in einer Mitteilung bekannt gegeben. Ein unabhängiges Begutachtungsgremium hat bundesweit insgesamt 44 Hochschulen ausgewählt, deren Konzepte zur Gleichstellung und Förderung von Frauen in der Wissenschaft überzeugen konnten. Besonders bemerkenswert ist, dass die UW/H die einzige private Universität unter diesen ausgewählten Hochschulen ist.
Dank dieser Auswahl kann die UW/H Fördermittel von bis zu drei unbefristeten Professuren für Wissenschaftlerinnen beantragen. Dr. Dirk Jakobs, der Vizepräsident für Organisationsentwicklung und Diversity Management an der UW/H, bezeichnet die Aufnahme als großen Erfolg. Er hebt die Bedeutung dieser Chance hervor, exzellente Wissenschaftlerinnen zu gewinnen und die Karrierebedingungen für Frauen in der Wissenschaft zu verbessern. Dieser Schritt ist Teil des Professorinnenprogramms, das seit 2008 als zentrales Instrument zur Förderung der Gleichstellung an Hochschulen in Deutschland dient.
Fördermittel und Entwicklungsabsichten
Für die aktuelle Phase des Professorinnenprogramms stehen über die nächsten acht Jahre insgesamt 320 Millionen Euro zur Verfügung. Das Programm, das in seiner bisherigen Form bereits mehr als 1000 Professuren gefördert hat, zielt darauf ab, den Anteil von Frauen in wissenschaftlichen Spitzenpositionen zu erhöhen und der sogenannten „leaky pipeline“ entgegenzuwirken, ein Begriff, der beschreibt, wie Frauen in der Wissenschaft auf dem Weg zu höheren Positionen zunehmend verloren gehen. Tatsächlich zeigen die aktuellen Zahlen, dass während 46% der Doktorandinnen ihren Abschluss erfolgreich erreichen, nur 30% als Professorinnen verbleiben.
Hochschulen, die am Programm teilnehmen möchten, müssen ein Gleichstellungskonzept einreichen, das external geprüft wird. Für die neue Förderperiode, die bis zum Jahr 2030 läuft, gibt es einige neue Richtlinien, um den Gleichstellungsansatz weiter zu stärken. Dazu zählen längere Laufzeiten, die Möglichkeit zur Zusammenarbeit bei der Erstellung der Konzepte und administrative Vereinfachungen. Hochschulen, die herausragende Gleichstellungskonzepte entwickeln, erhalten das Prädikat „Gleichstellungsstarke Hochschule“.
Herausforderungen in der Wissenschaft
Nicht nur das Professorinnenprogramm spielt eine wichtige Rolle in der Gleichstellung in der Wissenschaft. Das Bundesgleichstellungsgesetz ist eine weitere Maßnahme, die im öffentlichen Sektor gilt und auch auf den Hochschulen Auswirkungen hat. Viele Initiativen und Dachverbände arbeiten aktiv daran, die Geschlechtergerechtigkeit zu fördern und setzen sich für strukturierte Veränderungen ein. So fordert die GEW unter anderem flexiblere Karrieremöglichkeiten für Frauen und eine verbindliche Quotierung zur Geschlechtergerechtigkeit.
Wie wichtig das Thema ist, betont Dr. Enno Aufderheide von der Alexander von Humboldt-Stiftung. Er sieht in einem gesellschaftlichen Umdenken und gezielter Förderung von Frauen den Schlüssel zur Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft. Zu erwähnen ist auch, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ entwickelt hat, um Hochschulen und Forschungseinrichtungen in ihren Gleichstellungsmaßnahmen zu leiten.
Insgesamt zeigt die Entwicklung an der UW/H und die Rahmenbedingungen des Professorinnenprogramms, dass auf verschiedenen Ebenen an der Verbesserung der Stellung von Frauen in der Wissenschaft gearbeitet wird. Auch wenn die Zahl der geförderten Professuren eine positive Botschaft ist, bleibt die Herausforderung, die Gleichstellung in der Praxis jederzeit umzusetzen und zu leben.
Die Fortschritte sind ermutigend, doch die Realität zeigt, dass weitergehende Anstrengungen nötig sind, um eine echte Gleichstellung in der Wissenschaft zu erreichen. Die Entwicklungen an der UW/H sind ein Schritt in die richtige Richtung, und das Programm leistet einen wertvollen Beitrag zu einem ausgewogeneren Wissenschaftssystem in Deutschland.