Am 12. Februar 2026 wurde Natalie Freiin von Beust in San Diego mit dem Joseph T. McLaughlin Original Student Article Award ausgezeichnet. Diese Ehrung fand im Rahmen der Jahrestagung des International Centre for Conflict Prevention and Resolution (CPR) statt, wo sie für ihre Abschlussarbeit prämiert wurde. Diese untersucht die Chancen und Risiken der Drittfinanzierung in internationalen Schiedsverfahren und sorgt damit für interessante Diskussionen innerhalb der Branche.
Von Beust, die von 2023 bis 2025 Mediation und Konfliktmanagement an der Viadrina studierte, beschäftigt sich als Prozessanwältin in Nürnberg intensiv mit den Herausforderungen der Streitbeilegung. Ihre Masterarbeit trägt den Titel „Third-Party Funding in International Commercial Arbitration: Financing Justice or Compromising Integrity?” und beleuchtet dabei die Auswirkungen der Drittfinanzierung auf die internationale Handelsschiedsgerichtsbarkeit. Ein zentraler Aspekt ihrer Analyse ist die Frage, ob diese Finanzierungsmethoden den Zugang zur Justiz tatsächlich verbessern oder möglicherweise die Integrität des Verfahrens gefährden.
Einfluss der Drittfinanzierung auf internationale Schiedsverfahren
Die Arbeit von Natalie von Beust behandelt nicht nur die Motive für die Nutzung von Drittfinanzierung, sondern auch die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa, insbesondere in Deutschland, sowie in Asien, etwa in Hongkong und Singapur. Ein wichtiges Thema, das sie aufgreift, sind die Interessenkonflikte und die verfahrensrechtlichen Herausforderungen, die mit der Drittfinanzierung verbunden sind. Sie gibt zudem Empfehlungen für TPF-Vereinbarungen und institutionelle Schiedsgerichtsregeln ab, was für Akteure im Bereich internationaler Schiedsgerichtsbarkeit von großem Interesse ist.
Ihr Interesse an alternativen Streitbeilegungsverfahren wurde im Rahmen ihres Studiums geweckt und fand im Januar 2025 bei einer Konferenz in Saudi-Arabien neuen Auftrieb, in der die Themen rund um Drittfinanzierung diskutiert wurden. Dabei stellte von Beust fest, dass die Debatte häufig die Unparteilichkeit der Schiedsrichter in den Fokus stellte, während die Auswirkungen auf andere Verfahrensbeteiligte oft vernachlässigt wurden.
Digitalisierung und Transparenz in der Streitbeilegung
In einer Zeit, in der der Bedarf an Digitalisierung, Effizienz und Transparenz in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit stark zunimmt, setzt die Internationale Handelskammer (ICC) auf kontinuierliche Anpassungen ihrer Verfahren. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wird die Verwaltung der Schiedsverfahren zunehmend von E-Mails auf sichere Plattformen verlagert. Das Ziel ist eine umfassende digitale Lösung, die die Bearbeitung von Fällen erleichtert.
Die ICC hat die Case Connect-Plattform entwickelt, die durch Case Connect Powered by Opus 2 ersetzt werden soll. Diese Neuerung verspricht eine verbesserte Benutzerfreundlichkeit sowie eine höhere Automatisierung der Verfahren. Des Weiteren bietet die ICC in ihrer Schiedsgerichtsordnung verschiedene Instrumente zur Effizienzsteigerung, wie etwa Beschleunigte Verfahren mit reduzierten Gebühren und Schiedssprüchen innerhalb von sechs Monaten.
Ein weiterer Aspekt der ICC ist die Erhöhung der Transparenz bei der Drittfinanzierung. Parteien sind verpflichtet, entsprechende Vereinbarungen offenzulegen. Dies soll dazu beitragen, ein höheres Maß an Offenheit und Integrität in den Verfahren sicherzustellen. Im Jahr 2023 verzeichnete die ICC eine hohe Zahl an Verfahren, die durch Parteien aus 141 Ländern eingeleitet wurden, wobei deutsche Parteien stark vertreten sind.
Die Entwicklungen rund um die Drittfinanzierung sowie den steigenden Bedarf an digitalen Lösungen in der Schiedsgerichtsbarkeit zeigen, wie dynamisch und vielschichtig dieses Rechtsgebiet ist. Es bleibt zu beobachten, wie sich die Diskussionen um die Integrität und Effizienz dieser Verfahren weiterentwickeln werden und welchen Einfluss neue Technologien dabei haben können.
Weitere Informationen finden Sie bei Europa-Universität Viadrina und ICC Germany.