Was passiert in den Wäldern Niedersachsens? Forschende der Universität Göttingen und der Technischen Universität Braunschweig sind derzeit in einem spannenden Projekt aktiv, das die Gesundheitszustände von Bäumen und Wäldern näher unter die Lupe nimmt. Besonders im Fokus stehen Stress, Nährstoffmangel und Wasseraufnahme der Baumkronen. Um diese Herausforderungen zu meistern, haben sie ein „Forschungsduell im Blätterdach“ ins Leben gerufen, bei dem die traditionellen Methoden von Baumkletterern mit der innovativen Probenentnahme durch Drohnen verglichen werden. Der jüngste Waldzustandsbericht dokumentiert die Dringlichkeit dieses Themas: Im Jahr 2024 zeigten etwa 36% der Bäume deutliche Verlichtungen, während lediglich 21% unbeschädigt blieben. Dies verdeutlicht, dass da Handlungsbedarf besteht, wenn es um die Gesundheit der Wälder geht.
Unter der Leitung von Dr. Christina Hackmann, einer erfahrenen Baumkletterin, und Dr. Matthias Beyer, der eine spezielle Drohne namens „Isodrone“ entwickelt hat, wird das Projekt mit fünf Millionen Euro vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen unterstützt. Diese Drohne hat nach fünf Jahren Entwicklungszeit mittlerweile Hochkonjunktur und wird stark nachgefragt. Das gesamte Vorhaben zielt darauf ab, die Probenahme effizienter und kostengünstiger zu gestalten, da herkömmliche Methoden oft zeitaufwendig und mit hohen Kosten verbunden sind.
Drohne vs. Baumkletterer
Wie schnell eine Drohne Proben entnehmen kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Komplexität der Waldbestände. Einblicksfähige Baumkronen und die Art der Bäume spielen eine große Rolle. Auch die Erfahrung des Drohnenpiloten ist entscheidend, denn knorrige und stark verästelte Äste machen es der Drohne schwer, diese zu packen. Üblicherweise sind für einen Drohnenflug mindestens zwei Personen nötig—zum Steuern und zur Sicherheitsüberwachung. Der Einsatz ist jedoch nicht ohne Einschränkungen: Bei schlechtem Wetter, wie Regen oder starkem Wind, muss der Flug abgebrochen werden. Generell können mit einer Akkuladung Proben von 2 bis 4 Bäumen entnommen werden. Mit optimal ausgestatteten 14 Akkus wäre es theoretisch möglich, an einem Tag 40 bis 80 Bäume zu beproben, wenn die Rahmenbedingungen passen.
Jedoch bringt diese Technologie nicht nur Effizienz mit sich, sondern ermöglicht auch eine kostengünstige Erfassung hochauflösender Bilddaten und eine präzise Probenahme aus den Baumkronen. In Kombination mit der Einschätzung der Erntemöglichkeiten lässt sich so besser voraussagen, wie es um die Saatgutqualität steht. Auf diese Weise wird die Produktivität und Versorgungssicherheit in der Forstwirtschaft verbessert. Das Projekt UAV-SEE demonstriert eindrucksvoll, wie Drohnentechnologien für die Fernerkundung und Probenahme in der Forstwirtschaft genutzt werden können, um die Gesundheit sowie die Nachhaltigkeit unserer Wälder langfristig zu sichern.
Um einen Einblick in diese aufregenden Methoden zu erhalten, haben die Forschenden ein Video mit dem Titel „Per Seil oder Drohne zur Krone?“ erstellt, das auf YouTube verfügbar ist. Es beleuchtet die verschiedenen Ansätze zur Probenentnahme im Laubmischwald und vermittelt praktische Informationen über die Motivation und die Herausforderungen, denen sich die Forschenden stellen.
Die Entwicklungen in der Forstwirtschaft, die hier präsentiert werden, zeigen, wie wichtig innovative Ansätze zur Überwachung der Waldgesundheit sind und wie die Technologien dabei helfen können, unsere Wälder zu schützen. Bleiben Sie gespannt auf weitere Erkenntnisse aus diesem zukunftsweisenden Projekt!