Revolution in der Mediävistik: Willehalm digital erlebbar machen!

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Forschung zur digitalen Edition von Wolframs "Willehalm" startet an der RUB, gefördert von der DFG. Ein interdisziplinäres Projekt.

Forschung zur digitalen Edition von Wolframs "Willehalm" startet an der RUB, gefördert von der DFG. Ein interdisziplinäres Projekt.
Forschung zur digitalen Edition von Wolframs "Willehalm" startet an der RUB, gefördert von der DFG. Ein interdisziplinäres Projekt.

Revolution in der Mediävistik: Willehalm digital erlebbar machen!

Am 29. August 2025 startet das bedeutende mediävistische Forschungsprojekt „Willehalm im Kontext“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Initiator des Projekts ist Prof. Dr. Bernd Bastert, der an der Ruhr-Universität Bochum den Lehrstuhl für Deutsche Literatur des Spätmittelalters innehat. Die Projektleitung liegt in den Händen von Juniorprofessorin Dr. Lina Herz an der Universität Hamburg, die zusammen mit der Universitätsbibliothek Heidelberg an der digitalen Transkription und Edition des mittelhochdeutschen Werkes „Willehalm“ arbeitet, das von Wolfram von Eschenbach um 1220 verfasst wurde.

„Willehalm“ zählt zu den am häufigsten überlieferten weltlichen Werken dieser Epoche und thematisiert kriegerische Konflikte sowie die Koexistenz zwischen Christen und Andersgläubigen zur Zeit der Kreuzzüge. Besonders bemerkenswert ist die zentrale weibliche Figur des Textes, die einen Migrationshintergrund hat. Dieses Projekt zielt darauf ab, die Fragmentierung der überlieferten Texte zu überwinden, die in verschiedenen Bibliotheken, Forschungsbeständen, privaten Sammlungen und Familienarchiven verbreitet sind.

Forschungsinhalte und -ziele

Ein Hauptfokus des Projekts liegt auf der langfristigen Identifikation und Analyse aller historischen Handschriften und Textbestände des „Willehalm“ sowie verwandter Werke. In einem interdisziplinären Ansatz wird auch die Beziehung zu den Erzählungen „Arabel“ (Vorgeschichte) und „Rennewart“ (Fortsetzung) untersucht. Diese Werke bilden einen bedeutenden Zyklus in der germanistischen Mediävistik, der bisher selten in seiner Gesamtheit betrachtet wurde. Mit der digitalen Edition sollen individuelle Forschungsinteressen bedient werden, einschließlich linguistischer und kunsthistorischer Analysen, die durch innovative Methoden der Digital Humanities unterstützt werden.

Für die digitale Edition wird das TEI-Format (Text Encoding Initiative) verwendet, wobei eine Leseausgabe während der Projektlaufzeit entwickelt werden soll. Diese wird auch in Buchform im Rahmen eines „diamond open access“-Modells zugänglich sein. Die umfassende digitale Abbildung des Zyklus „Arabel – Willehalm – Rennewart“ wird es ermöglichen, die gesamte Überlieferung übersichtlich zu präsentieren, was in gedruckter Form unmöglich war.

Einsatz moderner Technologien und nachhaltige Infrastruktur

In diesem Kontext spielt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine entscheidende Rolle. Diese Technologie wird zur Texterkennung, Analyse und Vernetzung der Handschriften eingesetzt, was die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit der Daten erheblich steigert. Ein Ziel des Projektes ist es, eine nachhaltige digitale Infrastruktur für Forschung und Lehre aufzubauen, die den interdisziplinären Austausch und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses unterstützt.

Die Präsentation des Projekts erfolgt in Posterform während der DH Days der Ruhr-Universität am 16. September 2025 und in einer Posterausstellung vom 15. bis 28. September 2025. Das bedeutende DFG-Langfristvorhaben unterstützt Projekte von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung, die eine Mindestförderperiode von sieben bis maximal zwölf Jahren haben.

Zusätzlich zu den überlieferten Texten ist ein weiteres Projekt im Rahmen der digitalen Edition von deutschsprachiger Lyrik des 12. und 13. Jahrhunderts in Planung. Dieses Projekt verfolgt das Ziel einer einheitlichen, leicht zugänglichen Darstellung der Lyrik, die bisher in unterschiedlichen Ausgaben verstreut war. Hierzu werden Editionstexte, Digitalisate und Transkriptionen der Handschriften online bereitgestellt, um Überlieferungsnähe zu gewährleisten.

Mit dieser umfassenden Initiative zur digitalen Erschließung der Germanistik soll nicht nur das Verständnis des historischen Werkes „Willehalm“ vertieft, sondern auch eine breite Zugänglichkeit für die Forschung und interessierte Öffentlichkeit geschaffen werden.