Ab dem 1. März 2026 wird die Forschung an der Universität des Saarlandes einen neuen Schub erhalten: Prof. Dr. med. Bergita Ganse tritt die Nachfolge als Universitätsprofessorin für Experimentelle Muskuloskelettale Medizin an. Ganse bringt eine breite Expertise aus unterschiedlichen medizinischen Disziplinen mit, nachdem sie zuvor die Werner-Siemens-Stiftungsprofessur für innovative Implantat-Entwicklung am Campus Homburg innehatte. Ihre Spezialgebiete umfassen intelligente Implantate, die Frakturheilung, sowie Raumfahrt-Medizin – ein Bereich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, insbesondere durch die steigende Anzahl an langfristigen Weltraummissionen.

Die Forschung von Ganse wird durch das Projekt „Smarte Implantate“ unterstützt, das seit 2021 an der Universität koordiniert wird. Diese Initiative profitiert von einer großzügigen Förderung der Werner-Siemens-Stiftung in Höhe von neun Millionen Euro. Interessierte können sich auf spannende Vorlesungen zur Weltraummedizin freuen, die für alle zugänglich sind. Ganse ist nicht nur eine erfolgreiche Forscherin, sondern auch eine mehrfach ausgezeichnete Lehrkraft, die unter anderem den zweiten Platz beim Preis für Hochschullehre der Homburger Fachschaft Medizin erhielt.

Innovationen in der Implantat-Technologie

Die Entwicklung intelligenter medizinischer Implantate hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Ein neuer Fokus liegt dabei auf der Kombination von Materialwissenschaft, Biotechnologie und Medizintechnik. Laut einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird erwartet, dass die demographische Entwicklung und die Fortschritte in der Medizintechnologie zu einer erhöhten Anwendung medizinischer Implantate führen. Beispiele hierfür sind Gelenkprothesen, Cochlea-Implantate sowie Neuro- und Dentalimplantate, die allesamt eine bedeutende Rolle für die Patientenversorgung spielen.

Besonders im Bereich des Tissue Engineering wird an innovativen Lösungen gearbeitet, die einen vollwertigen Organ- und Funktionsersatz durch biomimetische Implantate ermöglichen. Hier sind Fortschritte in den Bereichen Biomaterialien, Biophotonik und Nanotechnologie von großer Wichtigkeit, um die Zukunftssicherung der Medizintechnik in Deutschland gewährleisten zu können.

Realitätsnahe Fraktursimulation

Ein weiteres spannendes Projekt in diesem Kontext ist SimFRAK, das ein robotergestütztes Verfahren zur Erzeugung realistischer Knochenfrakturen entwickelt. Diese Technologie nutzt einen 6-Achs-Industrieroboter in Kombination mit biomechanischer Simulationssoftware, um authentische Korrespondenzen zwischen den Krafteinleitungen im Körper und den Frakturmustern zu schaffen. In Deutschland werden jährlich über 600.000 Frakturbehandlungen durchgeführt, was den Bedarf an realitätsnahen Frakturmodellen unterstreicht, die sowohl in der Forschung als auch in der chirurgischen Ausbildung von erheblichem Nutzen sind.

Die robotergestützte Technologie von SimFRAK ermöglicht die kontrollierte Erzeugung von Frakturen mit einer hohen Variabilität in Bezug auf Frakturtypen. Dies ist ein Meilenstein, da bisherige Methoden oft nicht in der Lage waren, komplexe Frakturstrukturen authentisch nachzubilden. Die Anwendungsbereiche sind vielschichtig, von biomechanischen Prüfungen über chirurgisches Training bis zur Entwicklung neuer osteosynthetischer Verfahren.

Prof. Ganse und ihre neuesten Initiativen stellen somit einen wichtigen Bestandteil der innovativen Forschung im Bereich der Experimentellen Muskuloskelettalen Medizin dar. Ihr Engagement in der Wissenschaft und Lehre wird sicherlich dazu beitragen, die Medizintechnik in Deutschland weiter voranzubringen.

Für weitere Informationen über die Projekte von Prof. Ganse und die Forschungsschwerpunkte an der Universität des Saarlandes besuchen Sie uni-saarland.de. Interessierte am Bereich der intelligenten Implantate können sich auch über das DFG-Projekt informieren gepris.dfg.de und die Entwicklungen bei Fraunhofer IMTE verfolgen.