Am 12. und 13. März findet am Europa-Institut der Universität des Saarlandes eine Konferenz statt, die sich mit einem aktuellen und oft umstrittenen Thema beschäftigt: „Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten im Völkerrecht und im Recht der Europäischen Union“. Anlässlich der Pensionierung von Professor Thomas Giegerich, der das Europa-Institut seit 2012 gemeinsam mit Professor Marc Bungenberg geleitet hat, wird auch das 75-jährige Bestehen des Instituts gefeiert. Diese Veranstaltung ist eine hervorragende Gelegenheit, um die rechtlichen Fragen rund um sexuelle Identitäten, Menschenwürde und gesellschaftliche Vielfalt zu erörtern, wie uni-saarland.de berichtet.
Die Konferenz richtet sich auf zentrale Themen, die nicht nur in Europa von Bedeutung sind. Diskriminierung und Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung stehen dabei im Vordergrund. Professor Giegerich, der bis September 2025 Professor für Europarecht, Völkerrecht und Öffentliches Recht war, hat sich intensiv mit diesen Fragen beschäftigt und wichtige Forschungsprojekte, darunter den SEE-EU-Cluster of Excellence, geleitet.
Globale Herausforderungen für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten
Die Herausforderungen, mit denen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten konfrontiert sind, variieren weltweit erheblich. Während es in einigen Ländern Fortschritte gibt, ist die Menschenrechtslage von LSBTIQ* (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, intersexuell und queer) in vielen Staaten alarmierend. In 63 Ländern sind einvernehmliche homosexuelle Akte kriminalisiert, oft unter dem Einfluss von illiberalen und rechtspopulistischen Kräften. In den USA etwa hat der Rückbau von Rechten unter dem Einfluss des Trumpismus für Aufsehen gesorgt und die Lage vieler Minderheiten verschlechtert, wie bpb.de berichtet.
In Deutschland jedoch gab es in den letzten Jahren bedeutende rechtliche Änderungen, darunter die Einführung der Ehe für alle im Jahr 2017 und das Verbot von Konversionstherapien im Jahr 2020. Trotz dieser Fortschritte sind Diskriminierung und Gewalt gegen die Angehörigen dieser Gruppen weiterhin am Alltag normal.
Diskriminierung und Ungleichheit im Alltag
Die Berichte zeigen, dass Diskriminierung nicht nur während rechtlichen Auseinandersetzungen auftritt, sondern sich auch im Alltag stark bemerkbar macht. Laut einer Befragung der EU-Grundrechteagentur haben 13 % der Teilnehmenden in Deutschland innerhalb der letzten fünf Jahre körperliche oder sexuelle Übergriffe aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität erlebt. Diese Diskriminierung zeigt sich häufig in Bereichen wie Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung – wo zum Beispiel bis vor kurzem Männern, die Sex mit Männern haben, die Blutspende verwehrt wurde, während diese Regelung inzwischen gelockert wurde, bleibt die Ungleichbehandlung spürbar, wie antidiskriminierungsstelle.de verdeutlicht.
Die Konferenz am Europa-Institut bietet eine Plattform, um diese und viele andere Fragen zu diskutieren. Interessierte können sich bis zum 10. März anmelden und so Teil einer wichtigen Diskussion über die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten im Rahmen des Völkerrechts und der EU werden. Die Veranstaltung wird ab 10 Uhr im Gebäude B2.1 auf dem Campus Saarbrücken stattfinden.
Mit Professor Till Patrik Holterhus steht bereits ein Nachfolger für Giegerich bereit, der die Arbeit im Europa-Institut fortsetzen wird. Durch solche Initiativen und Veranstaltungen ist es möglich, die gesellschaftliche Wahrnehmung der Themen Sexualität und Identität zu wandeln und den notwendigen Schutz der Menschenrechte für alle voranzubringen.