Die aktuelle Ausstellung „The True Size of Africa“ im UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist bis zum 17. August 2025 für Besucher geöffnet. Diese bedeutende Schau wird als eine der größten in dieser Industrieanlage beschrieben und erstreckt sich über fünf verschiedene Standorte innerhalb des Geländes: vom Pumpenhaus über die Gebläsehalle bis hin zur Erzhalle. Kuratiert von Ralf Beil, dem Leiter des Weltkulturerbes, bietet die Ausstellung eine faszinierende Verbindung von musealen Objekten und zeitgenössischer Kunst.
„The True Size of Africa“ zeigt Kunstwerke von 26 Künstlerinnen und Künstlern aus Afrika und der afrikanischen Diaspora. Ziel dieser Präsentation ist es, Denktraditionen, Vorurteile und Stereotypen zu hinterfragen sowie neue Perspektiven zu ermöglichen. Zu den im Katalog enthaltenen Künstlern zählen namhafte Persönlichkeiten wie John Akomfrah, William Kentridge und Emeka Ogboh, deren Arbeiten zentrale Themen der Ausstellung aufgreifen, darunter die historische Ausbeutung afrikanischer Ressourcen und die Auswirkungen kolonialer Verbrechen.
Vielfältige Kunstwerke und Begleitprogramm
Die Sammlung umfasst sowohl bestehende Werke als auch neue, speziell für die Ausstellung produzierte Arbeiten. Dazu gehören Beiträge von Memory Biwa, Géraldine Tobe und Zineb Sedira. Ein Höhepunkt ist die fünfzigminütige Installation des ghanaischen Videokünstlers John Akomfrah, die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist und verschiedene Facetten des afrikanischen Kontinents thematisiert, wie etwa Migration und Umweltthemen.
Der Katalog zur Ausstellung, herausgegeben von Christiane Solte-Gresser, Markus Messling und Ralf Beil und erschienen im Hirmer Verlag, bietet einen umfassenden Einblick in die aktuelle Kunstszene Afrikas. Mit 512 Seiten und 325 Abbildungen enthält er neben Fotografien auch kritische Essays. Diese Essays befassen sich mit Themen wie kolonialer Gewalt, dem Panafrikanismus und dem Afrofuturismus. Autoren wie Souleymane Bachir Diagne und Nadia Yala Kisukidi äußern sich zu den komplexen Wechselwirkungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart im Kontext afrikanischer Kunst.
Literarische Begleitung und Weiterführendes
Begleitend zur Ausstellung werden literarisch-philosophische Werke präsentiert, darunter James Baldwins „The Fire Next Time“ und Édouard Glissants „Introduction to a Poetics of Diversity“. Diese Texte bieten den Besuchern eine tiefere Reflexion über die kulturellen und historischen Themen, die die Ausstellung adressiert. Zusätzlich enthält der Katalog ein Interview mit Memory Biwa, in dem historische Verbindungen zwischen der Eisenerzextraktion, Landenteignung und der Apartheid in Südafrika erörtert werden.
Die Völklinger Hütte ist nicht nur ein Schauplatz für Kunst, sondern spielt auch eine Rolle in der Weiterentwicklung der Kunstwissenschaft. Seit 2010 widmet sich das Kunsthistorische Institut (KHI) unter dem Dach der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung den Kunstgeschichte Afrikas und behandelt in seinen Lehrveranstaltungen auch moderne und zeitgenössische Kunst. Der Fokus liegt auf der kritischen Auseinandersetzung mit der Rezeptionsgeschichte und den künstlerischen Verfahrensweisen. Studierende haben somit die Möglichkeit, die Komplexität und Vielfalt der künstlerischen Praktiken Afrikas und der Diaspora zu erforschen.
Insgesamt zielt die Ausstellung darauf ab, das kulturelle Erbe Afrikas ins Zentrum der Diskussion zu rücken und dessen wahre Größe zu verdeutlichen. Während die Besucher die beeindruckende Präsentation der Kunstwerke genießen, werden sie eingeladen, die vielfältigen und oft schmerzhaften Geschichten hinter diesen Werken zu reflektieren.