Was passiert im Bereich der Baukulturellen Bildung? Ein spannendes Projekt aus Weimar könnte da für viel Gesprächsstoff sorgen. Am 8. Internationalen Symposium zur Baukulturellen Bildung wird ein besonderer Teppich aus gespendeten Alt-Textilien präsentiert. Dieses Symposium findet vom 27. bis 29. März 2026 im Eiermannbau Apolda statt, veranstaltet von der Bauhaus-Universität Weimar, der Stiftung Baukultur Thüringen und der Architektenkammer Thüringen. Der Teppich, der im Rahmen eines innovativen Projektes erstellt wurde, wird nach dem Symposium als Sitzlandschaft im Foyer des Goethegymnasiums eine neue Verwendung finden.
Doch was steckt hinter diesem Projekt? Es verbindet auf beeindruckende Weise Materialrecycling, handwerkliche Praxis, soziale Teilhabe und Bildungsarbeit. Damit ist es nicht nur ein praktisches Produkt, sondern auch ein Beispiel dafür, wie universitäre Lehre aktiv in die Stadtgesellschaft übertragen werden kann. Die Initiatoren setzen damit ein Zeichen für nachhaltiges Denken in der Innenarchitektur, das einen positiven Einfluss auf die Gemeinschaft hat. Mehr Informationen zur Seminarbeschreibung finden sich auf ihrem Instagram-Profil](www.instagram.com/studio_berndschmutz) und zum Symposium auf der [Website für Baukulturelle Bildung.
Die Kulturgeschichte des Teppichs
Die Faszination für Teppiche ist nicht neu. Bereits seit über 10.000 Jahren spielen sie in verschiedenen Kulturen eine zentrale Rolle. Die Geschichte der Innenarchitektur ist eng mit der Entwicklung von Boden- und Wandbelägen verbunden, wobei Teppiche sowohl funktionale Zwecke erfüllten als auch sozialen Status, kulturelle Identität und künstlerischen Ausdruck widerspiegelten. Nomadische Völker in Zentralasien nutzten sie als wichtige Alltagsgegenstände, die Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit boten und gleichzeitig Transportmittel waren. Der berühmte Pasyryk-Teppich, der im Altaigebirge entdeckt wurde, beweist diese Tradition mit seinen rund 2500 Jahren.
Im Laufe der Jahrhunderte haben Teppiche eine bemerkenswerte Wandlung durchgemacht. Alexander der Große brachte im 3. Jahrhundert v. Chr. die ersten Teppiche nach Europa und öffnete damit das Tor für die europäische Teppichgeschichte. Über die Jahrhunderte hinweg entwickelten sich verschiedene europäische Teppichzentren, wie etwa in Spanien im 8./9. Jahrhundert, gefolgt von England und Frankreich. Bis ins 18. Jahrhundert galten Teppiche in Europa als Kunstgegenstände und Statussymbole, während sich Wandmalereien und Wandteppiche zu unverzichtbaren Elementen in der Raumgestaltung entwickelten.
Ein neues Zeitalter für Teppiche
Der große Wandel kam mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Teppiche wurden zunehmend für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich, da die Massenfertigung die Produktionskosten drastisch senkte. Plötzlich waren diese Kunstwerke nicht mehr nur für Wohlhabende reserviert. In dieser Zeit erlebten Teppiche eine Renaissance und wurden nicht nur als dekorative Elemente, sondern auch als Zeugnisse einer reichen handwerklichen Tradition wahrgenommen. Die Weltausstellungen öffneten außerdem die Tore zu einem größeren Publikum und machten diese Kunst des Teppichknüpfens noch populärer.
In Anbetracht dieser history und der aktuellen Entwicklungen in Weimar zeigt sich, wie die Kombination aus traditionellem Handwerk und modernen Ansätzen eine nachhaltige Zukunft für alte Praktiken schaffen kann. Der jetzt präsentierte Teppich und die dazugehörige Veranstaltung sind wahre Beispiele dafür, wie Kunst und Bildung in der heutigen Welt Hand in Hand gehen können.