Professor Dan Diner wird ab dem Sommersemester 2026 die renommierte Rosenzweig-Gastprofessur an der Universität Kassel übernehmen. Laut Informationen von uni-kassel.de lobte die Vorsitzende der Findungskommission, Professorin Dr. Martina Sitt, die intellektuelle Weite und die dialogische Haltung von Diner. Der Historiker wird Seminare zu aktuell wichtigen Themen wie „Schütterzonen: Imperien in Nationalstaaten – Vom östlichen Europa nach Westasien“ und „Zwei Prozesse (1921/1927): Zur Frühgeschichte der UN-Genozid-Konvention 1948“ anbieten.
Diner, der seine Kindheit in Hessen verbracht hat, schloss sein Abitur in Schlüchtern ab und studierte Rechts- und Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort promovierte und habilitierte er schließlich. Interessanterweise hat Diner bereits in den späten 1970er-Jahren eine Gastprofessur an der Universität Kassel innegehabt.
Bedeutung der Rosenzweig-Gastprofessur
Die Rosenzweig-Gastprofessur wurde 1987 ins Leben gerufen und ist benannt nach dem jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (1886–1929). Die Idee entstand während des Internationalen Franz-Rosenzweig-Kongresses 1986, der den 100. Geburtstag von Rosenzweig feierte. Unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker versammelten sich mehr als 70 Referenten aus aller Welt, um über Rosenzweigs Werk und Bildungsarbeit zu diskutieren, wie auf wikipedia.org dargelegt wird.
Die Gastprofessur richtet sich in erster Linie an Wissenschaftler, die aus antisemitischen Gründen verfolgt wurden und soll das durch den Nationalsozialismus zerstörte jüdische Erbe wieder ins Bewusstsein rücken. In den letzten Jahrzenten wurde die Rosenzweig-Gastprofessur ebenfalls für jüngere Wissenschaftler geöffnet, die sich mit dem Thema des jüdischen Erbes in der europäischen Geistesgeschichte beschäftigen.
Diners akademische Laufbahn und Forschung
Dan Diner ist nicht nur Herausgeber der siebenbändigen „Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur“; er hat auch bedeutende akademische Positionen innegehabt. So war er emeritierter Professor für Moderne Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem und Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für Jüdische Geschichte und Kultur von 1999 bis 2014. Diner lehrte an Universitäten in Essen und Tel Aviv und hatte Gastprofessuren sowie Forschungsaufenthalte in renommierten Institutionen wie Oxford, Princeton, Stanford, Chicago, Uppsala und Luzern.
Er ist zudem ein ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und hat den Begriff „Zivilisationsbruch“ geprägt, der in der deutschen Erinnerungskultur eine zentralen Bedeutung hinsichtlich des Holocausts einnimmt.
Mit der Ernennung von Professor Diner zur Rosenzweig-Gastprofessur wird ein bedeutender Schritt in der Vergegenwärtigung der durch den Nationalsozialismus zerstörten Kultur des europäischen Judentums gemacht. Die Professur bleibt ein wichtiger Bestandteil der akademischen Landschaft in Kassel und trägt zur Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart bei.