Ein internationales Forschungsteam hat am 16. April 2026 das Projekt „Coral Cartography“ gestartet, das sich der umfassenden Kartierung von Kaltwasserkorallen im Atlantik widmet. In diesem innovativen Vorhaben bringt die Universität Bielefeld ihre Expertise in Bioinformatik und Künstlicher Intelligenz (KI) ein. Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Tim W. Nattkemper, der die Arbeitsgruppe Biodata Mining an der Universität Bielefeld leitet, werden moderne KI-Methoden eingesetzt, um große Mengen an Meeresbildern automatisch auszuwerten und die Strukturen der Korallen zu erkennen.

Das Projekt analysiert ungenutzte Bildarchive, um wertvolles Wissen über bedrohte Lebensräume zu gewinnen. Kaltwasserkorallen, die in Tiefen von mehreren hundert bis tausend Metern leben und kein Sonnenlicht benötigt, bilden komplexe Ökosysteme. Diese einzigartigen Lebensräume sind jedoch durch Fischerei, Tiefseebergbau und die Auswirkungen des Klimawandels stark gefährdet. Während der Nordatlantik gut untersucht ist, mangelt es an umfassenden Daten für den Zentral- und Südatlantik.

Methodik und Ziele des Projekts

Das Projekt zielt darauf ab, bestehende Bilddaten zu bündeln und durch neue Aufnahmen zu ergänzen, beispielsweise vor der Küste Brasiliens. Dabei wird ein standardisierter Datensatz zur Verbreitung und Dichte der Korallen erstellt. Die gewonnenen Bilder sind entscheidend für die Ausbildung von Modellen des maschinellen Lernens, die Muster erkennen und Vorhersagen über das Vorkommen von Korallen treffen können.

Die entstehenden Karten aus diesem Projekt sollen politischen Entscheidungsträgern helfen, geeignete Schutzgebiete auszuweisen. Dies ist besonders wichtig, da die Ergebnisse auch in internationale Gremien, wie Fischereiorganisationen und die Internationale Meeresbodenbehörde, einfließen werden. Das Projekt wird vom Plymouth Marine Laboratory in Großbritannien geleitet und erhält Unterstützung von der G20-Initiative CORDAP. Insgesamt sind 12 Partner aus 9 Ländern an dem Vorhaben beteiligt, wobei die Universität Bielefeld eine Schlüsselrolle in der KI-gestützten Bildanalyse übernimmt.

Innovative Ansätze zur Korallenüberwachung

Besonders hervorzuheben ist die neue Methode, die Professor Nattkemper vorgestellt hat, um Kaltwasserkorallenriffen zu überwachen. Diese Methode kombiniert Unterwasser-Videodaten mit KI zur automatischen Erkennung von Korallen und anderen Organismen. Ein online verfügbares Tool namens BIIGLE wird zur visuellen Auswertung der gesammelten Daten genutzt. Dieser innovative Ansatz soll die manuelle Analyse ersetzen und ermöglicht eine kontinuierliche Beobachtung der Ökosysteme.

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Das Projekt „Coral Cartography“ stellt damit einen bedeutenden Fortschritt im Schutz und Erhalt der Kaltwasserkorallen im Atlantik dar und leistet einen entscheidenden Beitrag zur globalen Forschung über marine Biodiversität und nachhaltige Meeresnutzung. Diese Initiative könnte weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige Meerespolitik und den Schutz dieser bedrohten Lebensräume haben.