Die Universität Heidelberg hat am 14. April 2026 eine herausragende Preisträgerin gewürdigt: Franziska Gießler, die für ihre Masterarbeit im Bereich RNA-Nanotechnologie ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeit, die am Zentrum für Molekulare Biologie (ZMBH) unter der Anleitung von Prof. Dr. Kerstin Göpfrich entstand, beleuchtet die dynamischen Eigenschaften von RNA-basierten Nanostrukturen.
Das zentrale Thema ihrer Forschung beschäftigte sich mit Nanostrukturen, die aus Ribonukleinsäuren (RNA) bestehen und sich in Tröpfchen zusammenlagern können. Besonders bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass die Dynamik dieser Strukturen durch Ribozyme genetisch programmiert und gesteuert werden kann. Gießler zeigte, dass Mischungen von verschiedenen RNA-Molekülen Tröpfchen erzeugen, die sich nach einer Spaltung in unterschiedliche Populationen aufteilen. Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Entwicklung minimalistischer künstlicher Zellsysteme, die als intelligente Wirkstoffträger für präzisere Therapien dienen könnten. Ihre Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Angewandte Chemie veröffentlicht.
Akademische Auszeichnung und Förderung
Für ihre herausragenden Leistungen erhielt Gießler den „Preis des Zukunftsforums Biotechnologie“, vergeben von der DECHEMA. Diese Auszeichnung wird jährlich an talentierte Biotechnologiestudierende verliehen und honoriert ihre außergewöhnlichen wissenschaftlichen Beiträge. Zudem profitierte Gießler von einem Qualifikationsstipendium der Carl-Zeiss-Stiftung im letzten Jahr ihres Studiums, das ihre Forschungsarbeiten maßgeblich unterstützte.
Nach ihrem Bachelor- und Masterstudium der Biochemie an der Universität Heidelberg plant die Preisträgerin, ihre Promotion im November 2025 am AMOLF-Forschungsinstitut in Amsterdam zu beginnen, wo sie an neuen Methoden zur Konstruktion minimaler biologischer Systeme forschen wird.
Verleihung des Marie-Luise Jung-Preises
Der Marie-Luise Jung-Preis, der im Rahmen einer akademischen Feier an Gießler verliehen wurde, wurde von Rektorin Prof. Dr. Frauke Melchior eröffnet. In den Grußworten hoben Sebastian Fath, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft, und Oliver Kübeck, Vertreter des Doktorandenkonvents, die Bedeutung von Gießlers Arbeit hervor. Die Laudatio hielt der Studiendekan der Fakultät für Biowissenschaften. Der feierliche Rahmen wurde durch musikalische Beiträge der Mitglieder des Collegium Musicum unter der Leitung von Michael Sekulla ergänzt. Der Preis, der mit einem Betrag von 1.500 Euro dotiert ist, wird seit über 20 Jahren jährlich verliehen und erinnert an eine tragisch verstorbene Studentin.
Gießlers Erfolge stehen exemplarisch für die Innovationskraft und das Engagement junger Wissenschaftlerinnen im Bereich der Biotechnologie. Ihre Arbeit ist nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern auch ein bedeutender Beitrag zur Forschung in diesem wichtigen Wissenschaftsfeld.
In einem weiteren Zusammenhang steht die Entdeckung eines neuen Ribozyms namens SAMURI, das von einem Team um die Chemieprofessorin Claudia Höbartner entwickelt wurde. SAMURI ermöglicht die gezielte Markierung und Veränderung von RNA-Molekülen in lebenden Zellen. Diese Entdeckung, die in der Fachzeitschrift Nature Chemistry veröffentlicht wurde, könnte das Potenzial haben, RNA an spezifischen Stellen zu modifizieren und durch Click-Chemie an Farbstoffe oder andere Moleküle anzubringen. Zukünftige Forschung wird sich mit der Aufklärung der Struktur und des Wirkmechanismus von SAMURI beschäftigen und zielt darauf ab, weitere Ribozyme zur Modifikation anderer RNA-Bausteine zu entwickeln. Diese Errungenschaften bilden zusammen einen faszinierenden Einblick in die Welt der modernen RNA-Forschung und deren Anwendungen.