Die Dunkelfeldstudie der Universität zu Köln zur Jugenddelinquenz in Nordrhein-Westfalen zeigt alarmierende Ergebnisse hinsichtlich der Jugendlichen im Ruhrgebiet. Laut der Studie, die über 4.400 Schüler*innen der 7. und 8. Klassen im Herbst und Winter 2025 befragte, haben rund 30% der befragten Jugendlichen im letzten Jahr mindestens eine Straftat begangen. Dies markiert einen Rückgang von etwa 4 Prozentpunkten oder 10% im Vergleich zum Vorjahr, lässt jedoch gleichzeitig erkennen, dass das Niveau der Jugenddelinquenz, insbesondere bei Gewaltdelikten, langfristig erhöht bleibt, verglichen mit den Daten aus 2013.

Wesentliche Erkenntnisse der Forschung sind, dass die Studie die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) sinnvoll ergänzt, indem sie auf die Selbstangaben der Jugendlichen zurückgreift. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass 20% der Jugendlichen von erlebter Gewalt durch Eltern im letzten Jahr berichteten. Zudem fühlten sich 20-30% der Befragten stark psychisch belastet.

Psychische Belastung und Risikowahrnehmung

Die Studie hebt hervor, dass es eine signifikante Abnahme in der Selbstkontrolle und der moralischen Ablehnung von Regelverstößen im Vergleich zu 2013 gibt. Zudem ist das Risikoempfinden der Jugendlichen gesunken, was bedeutet, dass sie ein geringeres Bewusstsein dafür haben, bei Straftaten entdeckt zu werden. Professor Dr. Clemens Kroneberg von der Universität zu Köln unterstreicht die dringende Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen gegen familiäre Gewalt sowie die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen. Diese Präventionsstrategien sind essentiell, um die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Jugendlichen zu stärken.

Die Studie, die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde, ist Teil des Exzellenzclusters ECONtribute, das sich mit gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen befasst. Die Ergebnisse zeigen nicht nur den aktuellen Zustand der Jugendkriminalität in Nordrhein-Westfalen, sondern auch die tiefen psychologischen und sozialen Herausforderungen, mit denen viele Jugendliche konfrontiert sind.