Das internationale Forschungsprojekt ISOLUME hat zum Ziel, die Veränderungen der Lichtverhältnisse in europäischen Meeren und deren Auswirkungen auf marine Ökosysteme umfassend zu untersuchen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Schlacke am Institut für Energie-, Umwelt- und Seerecht (IfEUS) der Universität Greifswald wird das Projekt im Rahmen der JPI Oceans Joint Action „Changing Marine Lightscapes“ gefördert. Es läuft von Juli 2025 bis Juni 2028 und umfasst Partnerinstitutionen aus dem Vereinigten Königreich, Norwegen, Polen, Irland, Malta und Deutschland, das die federführende Rolle innehat.
Die Ursachen für die Veränderungen in den Lichtverhältnissen sind vielfältig. Zwei Hauptfaktoren spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Zum einen ist dies die künstliche Beleuchtung in Küstenregionen, in Häfen und Städten, die das natürliche Licht des Meeres überstrahlt. Zum anderen führt die zunehmende Trübung der Küstengewässer, auch als „coastal darkening“ bekannt, zu einer Veränderung der Lichtverhältnisse. Diese Trübung wird durch Schwebstoffe, Nährstoffe und Algenblüten verursacht. In diesem Kontext beeinflussen die Änderungen die Lebensbedingungen unter Wasser, stören natürliche Tag-Nacht-Rhythmen und können die Nahrungsketten im Meer verschieben.
Umfangreiche Forschungsmethoden
ISOLUME verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der sowohl naturwissenschaftliche als auch sozialwissenschaftliche Perspektiven einbezieht. Im Rahmen des Projekts werden historische Daten analysiert, Feldmessungen durchgeführt und Modelle zur Untersuchung der Lichtverhältnisse in verschiedenen Meeresregionen entwickelt. Der Fokus liegt auf europäischen Küsten- und Meeresgebieten, die stark durch menschliche Aktivitäten geprägt sind. Ziel ist es, ein detailliertes Verständnis der räumlichen und zeitlichen Dynamik von „underwater lightscapes“ zu erlangen und die Ursachen sowie die ökologischen Konsequenzen dieser Veränderungen zu analysieren.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die rechtliche Betrachtung. Das IfEUS untersucht, wie nationale, europäische und internationale Regelwerke mit der Lichtverschmutzung umgehen. Dabei werden bestehende Rechtsrahmen analysiert und Regelungslücken identifiziert. Während bisherige umweltrechtliche Regelungen vorrangig Schadstoffe, Lärm und Überfischung thematisieren, bleibt die Lichtverschmutzung oft unzureichend geregelt.
Zukunftsweisende Empfehlungen und Governance
Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, Vorschläge zur besseren Steuerung künstlichen Lichts zu entwickeln. Hierzu gehören unter anderem strengere Vorgaben für die Küstenbeleuchtung. In Zusammenarbeit mit einem internationalen Forschungsteam möchte das Greifswalder Team dazu beitragen, die ökologischen Auswirkungen des künstlichen Lichts besser zu verstehen und rechtliche sowie politische Steuerungsinstrumente zu entwickeln. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, wie die menschliche Beleuchtung die marinen Ökosysteme belastet und wie durch geeignete Maßnahmen der Schutz dieser sensiblen Lebensräume verbessert werden kann.
Somit wird ISOLUME nicht nur zu einem besseren Verständnis der Lichtverhältnisse im Meer beitragen, sondern auch wertvolle Impulse für die rechtliche und politische Steuerung im Kontext der Lichtverschmutzung liefern. Übergreifend betrachtet stellt das Projekt einen wichtigen Schritt zur Erhaltung der marinen Biodiversität und zur nachhaltigen Entwicklung der Küstenregionen in Europa dar. Weitere Informationen zu den einzelnen Aspekten des Projekts sind auf der Universitätsseite und dem IfEUS zu finden.