Am 20. April 2026 besuchte Bundeskanzler Friedrich Merz den Stand des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) auf der Hannover Messe. Mit ihm waren die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche. Der Fokus des Besuchs lag vor allem auf der ersten Wand, dem Tritium Breeding Blanket, das als entscheidender Schritt hin zu einem zukünftigen Fusionsreaktor gilt. Professor Jan S. Hesthaven, Präsident des KIT, informierte über den Stand der Forschung und die Bedeutung der Ersten Wand für die Entwicklung der Fusionsforschung.
Hesthaven äußerte seinen Dank an die Bundesregierung für ihre anhaltende Unterstützung in der Fusionsforschung. Diese wird am KIT als weltweit einzigartig betrachtet, was durch Hesthavens Aussagen unterstrichen wurde. Merz lobte die Bemühungen des KIT und betonte die Dringlichkeit der Fusionstechnologie. Ein zentraler Anspruch des Kanzlers ist, dass der erste Fusionsreaktor in Deutschland entstehen soll, was auch die Bedeutung der Forschung des KIT für die Entwicklung dieser Technologie verdeutlicht.
Forschung und Entwicklung im Tritiumlabor
Das Tritiumlabor Karlsruhe (TLK) ist eine weltweit einzigartige Einrichtung, die seit über 30 Jahren an der sicheren Handhabung von Tritium und am Brennstoffkreislauf arbeitet. Im TLK wurden bereits mehr als 30 Kilogramm Tritium verarbeitet, während ein kommerzielles Fusionskraftwerk lediglich etwa 2-4 Kilogramm Tritiuminventar benötigt. Blankets in Fusionskraftwerken sind entscheidend, da sie die bei der Kernfusion erzeugte Energie in Wärme umwandeln, die dann zur Stromerzeugung genutzt wird.
Allerdings müssen viele Abläufe in der Fusionsforschung noch optimiert und unter realen Bedingungen getestet werden. Dabei spielt das KIT eine wichtige Rolle, da es auch Fachkräfte für die Fusionsforschung ausbildet. Die hohe Temperatur im Inneren von Fusionskraftwerken erfordert spezielle Zünder, sogenannte Gyrotrons, zur Plasmaerwärmung. Das KIT gilt als europaweit führend in der Erforschung und Entwicklung dieser Gyrotrons, die unter anderem an den Versuchsreaktor Wendelstein 7-X sowie dem internationalen Forschungsreaktor ITER eingesetzt werden.
Materialien und Herausforderungen der Fusionsforschung
Das KIT betreibt den modernsten Teststand für Plasmaheizung und erforscht Materialien, die extremen Temperaturen und hochenergetischen Neutronen standhalten müssen. Eine der Hauptaufgaben des Fusionsmateriallabors (FML) am KIT ist die Gewährleistung der Zuverlässigkeit dieser Materialien. Eurofer 97, ein vielversprechendes Material für Fusionskraftwerke, zeichnet sich durch seine Robustheit aus und kann bis zu 300 Jahre nach dem Einsatz recycelt werden.
Darüber hinaus hat Eurofer eine geringe Neigung, langlebige Radioisotope zu bilden. Um den wirtschaftlichen Betrieb eines Fusionskraftwerks sicherzustellen, müssen Materialien entwickelt werden, die selten gewechselt werden müssen, idealerweise alle 5-6 Jahre. Zudem wurden in Zusammenarbeit mit europäischen und japanischen Fusionswissenschaftlern Forschungsanlagen wie IFMIF-DONES vorgeschlagen, die Neutronen erzeugen und Materialien bestrahlen sollen. Derzeit wird IFMIF-DONES in Granada, Spanien, gebaut, und Deutschland plant, dem Konsortium beizutreten, um die Fusionsmaterialforschung zu unterstützen.