Forschende um Prof. Dr. Ralf Erdmann an der Ruhr-Universität Bochum haben eine zentrale Schwachstelle bei Erregern der Afrikanischen Schlafkrankheit, Chagas-Krankheit und Leishmaniose entdeckt. Ein Augenmerk liegt dabei auf dem Protein PEX38, das entscheidend für den Aufbau von Glykosomen ist, welche für die Energieversorgung der Trypanosomen, den Erregern dieser Krankheiten, unerlässlich sind. Da Menschen das Protein PEX38 nicht benötigen, entsteht hier ein vielversprechendes Ziel für zukünftige Therapien gegen diese Tropenkrankheiten, die weltweit über eine Milliarde Menschen betreffen.

Aktuelle Behandlungen sind häufig mit einer hohen Toxizität verbunden und leiden unter der wachsenden Problematik der Arzneimittelresistenzen. Die neuen Erkenntnisse wurden am 26. Februar 2026 in der renommierten Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Die Forscher identifizierten, dass die Glykolyse – der Zuckerabbau zur Energiegewinnung – in den Glykosomen der Trypanosomen stattfindet und nicht in der Zellflüssigkeit, was die Bedeutung dieser Organellen unterstreicht.

Die Schlüsselrolle von PEX38

PEX38 erfüllt eine Schlüsselrolle bei der Biogenese dieser Glykosomen. Es agiert als Adapter für Chaperone und Importrezeptoren, die Transportproteine benötigen, um Membranproteine zu schützen. Diese Mechanismen sind kritisch, denn ohne eine intakte Struktur der Glykosomen sind die Parasiten nicht überlebensfähig. Das Protein ist das erste neu entdeckte Peroxin seit über 35 Jahren, das außerhalb von Hefe und Säugetieren identifiziert wurde.

Besonders bemerkenswert ist die evolutionäre Umfunktionierung von PEX38. In der Evolution hat es eine neue Funktion im Transport von Membranproteinen zu Glykosomen übernommen und könnte durch seine Interaktion mit anderen Peroxinen als gezieltes therapeutisches Ziel genutzt werden, das menschliche Zellen schont. Diese Ansätze könnten die Entwicklung neuer Medikamente unterstützen, welche die Trypanosomen gezielt eliminieren, ohne die menschlichen Zellen zu schädigen.

Das Projekt wurde durch Horizon 2020 der EU sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. Diese finanziellen Rahmenbedingungen ermöglichen es den Wissenschaftlern, die grundlegenden Mechanismen in den Trypanosomen weiterhin eingehend zu untersuchen und anschauliche therapeutische Herangehensweisen zu entwickeln.

Zusammenfassend verdeutlichen die Forschungsarbeiten die Dringlichkeit, neue und weniger toxische Therapieansätze gegen diese verheerenden Krankheiten zu finden, die weltweit so viele Menschen betreffen. Die Ergebnisse haben das Potenzial, die Behandlung von Tropenkrankheiten erheblich zu verbessern und sollten als bedeutender Fortschritt in der biomedizinischen Forschung betrachtet werden.

Zusammenfassend wird die Entdeckung von PEX38 als einen entscheidenden Schritt in der Bekämpfung von Tropenkrankheiten angesehen. Die nächste Herausforderung wird sein, diese Erkenntnisse in klinisch anwendbare Therapien umzusetzen.