Am 16. April 2026 meldete Prof. Dr. Rainer Herges von der Universität Kiel eine faszinierende wissenschaftliche Entdeckung. Während seiner Forschung nach Molekülen für extrem kleine Schalter stieß er zufällig auf eine Verbindung, die beim Auflösen ihre Farbe änderte. Der Grund für diesen bemerkenswerten Farbumschlag sind winzige Mengen an Peroxiden, die auch in hochexplosiven Sprengstoffen wie TATP (Triacetone Triperoxide) enthalten sind. TATP ist besonders problematisch, da es schwer von Drogen wie Kokain zu unterscheiden ist.
Diese Erkenntnis brachte Herges auf die Idee, die entdeckte Substanz für die Entwicklung eines Sprengstoff-Schnelltests zu nutzen. Die von ihm entwickelte Methode zeichnet sich durch eine extrem hohe Empfindlichkeit aus und ist für den praktischen Einsatz im Feld bestens geeignet. Um seine Entdeckung zu schützen und deren kommerzielles Potenzial zu sichern, reichte Herges eine Erfindungsmeldung an seine Universität ein.
Patentschutz und kommerzielle Chancen
Nach dem Arbeitnehmer-Erfinder-Gesetz gehört die Erfindung der Universität, die nun die Neuheit und das Marktpotenzial prüft. Bei einer positiven Bewertung wird eine Patentierung eingeleitet und die Universität unterstützt die Umsetzung der Erfindung zur Marktreife. Bei erfolgreicher Lizenzierung werden die Erlöse aufgeteilt; die Universität erhält die Lizenzeinnahmen, während Erfinder 30 Prozent der Einnahmen zugutekommen. Diese Regelung fördert nicht nur die Erfindertätigkeit, sondern auch die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Forschung.
Die Universität Kiel plant darüber hinaus, sich aktiv an Ausgründungen zu beteiligen und als Investor aufzutreten. Dieses Engagement zielt darauf ab, die Auslastung der Infrastruktur zu verbessern und ein „Gründungs-Mindset“ bei den Forschenden zu fördern. Um die Patentierbarkeit und die Marktchancen ihrer Erfindungen besser zu beurteilen, sollen KI-Tools eingesetzt werden.
Gründung und Förderungen
Herges selbst hat das Patent für seinen Sprengstoff-Test lizenziert und das Start-Up „herges-detection“ gegründet. Um Start-Ups zu unterstützen, sind langfristige Nutzungsverträge sowie bürokratische Erleichterungen essenziell. Der Schnelltest wurde bereits erfolgreich am Markt eingeführt und wird unter anderem vom Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein genutzt.
Das Start-Up hat für seine Innovation sogar einen Förderpreis der NATO in Höhe von 100.000 Euro gewonnen. Solche Erfolge zeigen nicht nur das Engagement der Universität Kiel für die Wissenschaft, sondern auch die Möglichkeit, durch Forschung bedeutende wirtschaftliche Impulse zu setzen.
Ein Patent ist mehr als ein Schutzrecht für eine Erfindung; es ermöglicht dem Inhaber, anderen die Nutzung der Erfindung für eine festgelegte Zeit zu untersagen. Dies eröffnet auch die Möglichkeit, Lizenzeinnahmen zu generieren. Die Max-Planck-Gesellschaft, die Max-Planck-Institute und die Erfinder profitieren von diesen Einnahmen. Insbesondere für Erfinder bieten Patente zahlreiche Vorteile, darunter Feedback zu Forschungsarbeiten und wertvolle Kontakte zur Industrie, die letztendlich auch zu weiteren Publikationen führen können.