Die hausärztliche Versorgung in Nordrhein-Westfalen (NRW) steht aktuell im Fokus eines wichtigen Gesprächs zwischen der Universitätsleitung der Westfälischen Hochschule (UW/H) und Vertreter:innen der NRW-Ministerien. Anwesend waren unter anderem Ina Brandes, die Ministerin für Kultur und Wissenschaft, und Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Diskutiert wurden die Herausforderungen in der ambulanten hausärztlichen Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum von Westfalen-Lippe.
Ein zentrales Thema war der demografische Wandel, der nicht nur zu einem Anstieg der Patient:innenzahlen, sondern auch zu einem bemerkenswerten Alterungsprozess der Hausärzt:innen führt. Ein hoher Anteil der praktizierenden Hausärzt:innen ist über 60 Jahre alt. Dies erfordert dringend geänderte Strategien und Maßnahmen, um die medizinische Grundversorgung in ländlichen Gebieten langfristig zu sichern.
Maßnahmen der Landesregierung
Um der drohenden Gesundheitsversorgungskrise entgegenzuwirken, hat die Landesregierung bereits mehrere Maßnahmen initiiert. Dazu gehören die Einführung der Landarztquote und das Hausarztaktionsprogramm. Des Weiteren wird der Ausbau von Medizinstudienplätzen vorangetrieben, um mehr medizinischen Nachwuchs zu gewinnen. Ein Beispiel ist die Verdopplung der Medizinstudienplätze an der UW/H auf 84 pro Semester bis Sommer 2024. Dies ist Teil eines umfassenden Plans, bis zum Wintersemester 2026/27 insgesamt 2.750 Studienanfängerplätze für Humanmedizin in NRW bereitzustellen, was die Region im bundesweiten Vergleich gleichauf mit Bayern und Baden-Württemberg positioniert.
Eine der bedeutenden Neuerungen ist die geplante medizinische Fakultät in Bielefeld sowie die Etablierung von W3-Professuren für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten in NRW. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Facharztanerkennungen im Bereich der Allgemeinmedizin in der Region zu steigern und somit die ärztliche Versorgung zu stabilisieren.
Studienplatzversorgung im Bundesvergleich
Doch trotz dieser Initiativen gibt es in Deutschland einen drohenden Ärzt:innenmangel. Jahr für Jahr bewerben sich etwa 20.000 Interessierte um einen Medizinstudienplatz, erhalten jedoch keinen. Der Wert von 3 Bewerber:innen pro Platz, wie er im Wintersemester 2024/25 festgestellt wurde, verdeutlicht den Druck. Der damalige Gesundheitsminister Lauterbach hatte bereits eine Erhöhung der Medizinstudienplätze um 5.000 gefordert, um die Anforderungen der zunehmend älter werdenden Bevölkerung zu erfüllen.
- Medizinstudienplätze im Wintersemester 2023/24: Rund 113.000 Studierende in Deutschland
- Hausärzt:innen über 60: Hoher Anteil im ländlichen Raum
- Studienplatzvergabe: Unterversorgte Regionen erhalten Priorität
Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Zahl der Medizinstudienplätze und der Dichte an Ärzt:innen in den jeweiligen Regionen. Die derzeitigen Maßnahmen bieten Hoffnung, jedoch muss die Diskussion über die Finanzierung und die flächendeckende Einrichtung weiterer Studienplätze unbedingt wieder aufgenommen werden.
Die UW/H hat sich in diesem Kontext bereits dem Ziel verschrieben, die praktische Ausbildung ihrer Studierenden in der Allgemeinmedizin zu stärken. Hierzu gehören Praxiseinsätze bereits ab dem ersten Semester sowie ein verpflichtendes Praktikum von mindestens sechs Wochen im allgemeinmedizinischen Bereich. Die Hochschule kooperiert eng mit etwa 300 hausärztlichen Praxen in NRW, um die angehenden Mediziner:innen optimal auf die Herausforderungen in der Praxis vorzubereiten.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und der Politik entscheidend dafür ist, die hausärztliche Versorgung in Nordrhein-Westfalen nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern aktiv zu verbessern. Die UW/H nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein und sieht sich in der Verantwortung, die medizinische Gesundheitsversorgung, insbesondere in ländlichen Regionen, zu fördern.