Günther Anders: Medienkritik im digitalen Zeitalter neu beleuchtet!
Die Universität Freiburg untersucht mit der Günther-Anders-Forschungsstelle Medien und Digitalethik unter Dr. Christian Dries.

Günther Anders: Medienkritik im digitalen Zeitalter neu beleuchtet!
Die digitale Transformation durchdringt heute alle Lebensbereiche, von der Art und Weise, wie wir einkaufen, bis hin zu den Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Diese umfassende Umgestaltung ist das zentrale Thema der Günther-Anders-Forschungsstelle an der Universität Freiburg, die von Dr. Christian Dries geleitet wird. Mit einem Fokus auf die ethischen Dimensionen der Digitalisierung befasst sich die Forschungsstelle nicht nur mit technologischen Entwicklungen, sondern auch mit den gesellschaftlichen Implikationen und der notwendigen kritischen Reflexion im digitalen Zeitalter. Uni Freiburg berichtet, dass …
Dr. Dries, der in verschiedenen Disziplinen promovierte, untersucht unter anderem die Gedanken des Philosophen Günther Anders, der in den 1950er Jahren vor den Gefahren einer von Massenmedien dominierten Welt warnte. Anders‘ Aufsatz „Die Welt als Phantom und Matrize“ gilt als einer der ersten philosophischen Texte über das Fernsehen und thematisiert unser Leben in einem „postliterarischen“ Zeitalter, das von Bildern geprägt ist. Diese Bilder sind nicht neutral; sie beeinflussen unser Verständnis der Realität und konstruieren Wahrheiten in Bildform. Dr. Dries interessiert sich besonders für die Digitalisierung der Gesellschaft und die Herausforderungen, die durch soziale Medien und ihre ethischen Fragestellungen entstehen.
Digitalethik und soziale Medien
Ein zentraler Aspekt der Arbeit der Forschungsstelle ist die Digitalethik, die für Dr. Dries eine entscheidende Rolle spielt. Die Forschung befasst sich mit Fragen zur Wahrheit und Falschheit in sozialen Medien sowie den materiellen Voraussetzungen der Digitalwirtschaft, wie etwa der Ausbeutung von Arbeitskräften und den ökologischen Folgen. Darüber hinaus reflektiert Dr. Dries die Nutzung von Plattformen wie YouTube und X (ehemals Twitter) hinsichtlich ihrer ethischen Implikationen. Die Warnungen Anders‘ vor „Apokalypse-Blindheit“ im Kontext der atomaren Bedrohung und der Klimakrise sind in dieser Diskussion stets präsent. Die Forschungsstelle, die am 1. August 2023 gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, aktuelle gesellschaftliche Fragen in Anlehnung an Anders‘ Denken zu erforschen.
In einem anderen Kontext hat der Name Günther Anders in den letzten Wochen erneut Beachtung gefunden. Am Gorki-Theater in Berlin fand ein Interview zwischen einer kanadischen Journalistin und einer Person namens »Günther« statt. Thema des Gesprächs waren Filmkostüme, die die Journalistin aus einem Film ihres Mannes, eines renommierten Regisseurs, spenden möchte. Der Film behandelt den Völkermord an den Armeniern 1915. Dieses Projekt, das die Tagebücher von Günther Anders als zentrale Inspirationsquelle hat, ist Teil einer Performance-Reihe mit dem Titel „Donation. Performing Memory II“.
Medienkritik im digitalen Zeitalter
Parallel dazu spielt die Medienkritik eine entscheidende Rolle in unserer Auseinandersetzung mit der Digitalität. Ein relevanter Beitrag ist der Sammelband „Medienkritik im digitalen Zeitalter“, herausgegeben von Horst Niesyto und Heinz Moser. Dieser Band, der zur Schriftenreihe „Medienpädagogik interdisziplinär“ gehört, beleuchtet die theoretischen und konzeptionellen Grundlagen der Medienkritik in einer Zeit, in der persönliche Daten kommerziell ausgebeutet werden und neue Machtstrukturen im Kontext von „Big Data“ entstehen. JFF dokumentiert, dass …
Die Herausgeber und Beiträge des Bandes thematisieren die Notwendigkeit einer kritischen Reflexion der Medien, die Herausforderungen durch die Digitalisierung und die Rolle der Medienpädagogik in diesem Prozess. Es werden Handlungsalternativen und Ansätze wie „Digital Citizenship“ diskutiert, die darum bitten, einen reflektierten Umgang mit Medien zu fördern. Die anhaltenden Veränderungen im digitalen Raum erfordern eine Auseinandersetzung mit Themen wie Selbstverantwortung und technikkritischer Reflexion, was für die Bildungs- und Medienlandschaft von größter Bedeutung ist.