Am 17. April 2026 wird die renommierte Soziologin Eva Illouz einen aufschlussreichen Vortrag mit dem Titel „Is Guilt Good for Democracy?“ halten. Dieser findet im Rahmen des Jahresworkshops des DFG-Graduiertenkollegs „Ästhetik der Demokratie“ und des Forschungsschwerpunkts „Democratic Vistas“ statt. Illouz, die an der Hebrew University of Jerusalem und der EHESS in Paris lehrt, wird dabei die Rolle von Schuldgefühlen in der politischen Kultur der Demokratie untersuchen. Ihr Vortrag hebt hervor, wie diese Emotion seit den 1980er Jahren in liberalen Demokratien an Bedeutung gewonnen hat und welche normativen sowie politischen Implikationen damit verbunden sind.
Der Vortrag wird am Freitag, dem 24. April, um 19 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg stattfinden. Prof. Johannes Völz, der Sprecher des Graduiertenkollegs, wird in das Thema einführen. Hierbei wird auch die Frage aufgeworfen, ob Schuldgefühle tatsächlich eine positive Rolle für die Demokratie spielen können. Illouz ist bekannt für ihre tiefgründige Analyse der Emotionen in politischen Kontexten und hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht.
Illouz‘ Forschung über Emotionen und Politik
In ihrem neuesten Buch „Undemokratische Emotionen. Das Beispiel Israel“, das 2023 veröffentlicht wurde, beschäftigt sich Illouz intensiv mit der israelischen Politik unter dem langjährigen Regierungschef Benjamin Netanjahu, welcher derzeit seine sechste Amtszeit innehat. Illouz analysiert in dieser politikwissenschaftlichen Studie, warum Netanjahu trotz erheblicher Kontroversen und öffentlicher Proteste an der Macht bleibt. Ein zentraler Aspekt ihrer Untersuchung ist die Bedeutung stabiler „Gefühlsstrukturen“, die die politischen Emotionen einer Gesellschaft prägen.
Illouz vergleicht die politischen Emotionen in Israel mit denen anderer Länder, insbesondere mit dem Populismus, den Führer wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdoğan und Viktor Orbán in ihren jeweiligen Ländern nutzen. Ihr Ansatz zeigt auf, dass Emotionen wie Angst, Abscheu, Ressentiment und Patriotismus entscheidend für die Mobilisierung der Wähler sind und oftmals die gesellschaftliche Spaltung begünstigen.
Gesellschaftliche Spaltung und Identität
Ein weiterer wesentlicher Punkt in Illouz‘ Analyse ist die politische Nutzung des Gefühls der Bedrohung. Insbesondere Netanjahu und seine Vorgänger haben die Angst vor Arabern und Linken instrumentalisiert, um ihre Macht zu sichern. Diese Emotionen wirken nicht nur auf der narrativen Ebene, sondern haben auch einen tiefgreifenden Einfluss auf die gesellschaftlichen Strukturen in Israel. Die zunehmende Gleichsetzung von Patriotismus mit einer jüdischen Identität führt zudem zur Ausgrenzung der israelischen Araber und ist ein Thema, das Illouz kritisch betrachtet.
Ein Nationalstaatsgesetz aus dem Jahr 2018, das den ethnischen Vorrang der Juden in Israel besiegelt, zeigt, wie tief diese Spaltungen in das Gefüge der Gesellschaft eingewoben sind. Illouz schließt ihr Buch mit einem eindringlichen Epilog, der „Gefühlen einer anständigen Gesellschaft“ wie Brüderlichkeit und Universalismus gegenüberstellt und damit einen Ausblick auf mögliche Wege der Versöhnung und Integration bietet.
Interessierte können sich bis zum 21. April für die Veranstaltung anmelden, die eine grundlegende Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Emotionen auf die Demokratie verspricht.
Für die Anfahrt stehen öffentliche Verkehrsmittel sowie PKW-Parkmöglichkeiten in der Nähe zur Verfügung.