Am 17. April 2026 hat das Deutsche Ärzteblatt die neue S3-Leitlinie „Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen“ veröffentlicht. Die Leitlinie wurde unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) erarbeitet und koordiniert von Prof. Dr. David Martin von der Universität Witten/Herdecke. Der Fokus liegt nicht nur auf der Temperatur, sondern auf dem Wohlbefinden des Kindes, was einen Paradigmenwechsel in der Versorgung darstellt, wie die Universität Witten/Herdecke berichtet.
Die neue Leitlinie bietet erstmals klare, wissenschaftlich geprüfte Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Fieber bei Kindern. Ein zentraler Punkt ist die Empfehlung, Fieber nicht vorschnell zu senken. Fieber wird als sinnvolle Reaktion des Körpers betrachtet, weshalb fiebersenkende Medikamente zielgerichtet eingesetzt und unnötige Behandlungen vermieden werden sollten. Der Einsatz von Antibiotika wird zudem eingeschränkt, denn Fieber allein ist kein ausreichender Grund für eine Verordnung, wie die DGKJ betont.
Eltern im Fokus
Die Rolle von Eltern und Bezugspersonen wird in der neuen Leitlinie ebenfalls hervorgehoben. Familien sollen bereits bei der ersten Impfung darüber informiert werden, wie sie mit Fieber umgehen können. Es ist wichtig, dass Eltern die Symptome ihrer Kinder beobachten und verstehen, dass der Allgemeinzustand und spezifische Warnzeichen, wie Bewusstseinsstörungen oder Atemnot, entscheidend für die Beurteilung sind. Die Ärztezeitung hebt hervor, dass der Fokus auf akut auftretendes Fieber bei ansonsten gesunden Kindern im ambulanten Setting liegt.
Im Zusammenhang mit der Temperaturmessung wird darauf hingewiesen, dass die Methode je nach Alter des Kindes unterschiedlich sein sollte. Rektale Messungen sind für Säuglinge empfohlen, während Trommelfellthermometer ab einem Jahr zum Einsatz kommen können. Stirn- und axilläre Messungen gelten hingegen als ungenau. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Empfehlung, dass fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen nur bei sichtbarem Leiden des Kindes eingesetzt werden sollten.
Patientensicherheit und Antibiotikaresistenzen
Ein zentrales Ziel besteht in der Stärkung der Patient:innensicherheit und der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen. Die Leitlinie empfiehlt eine rationale und zurückhaltende Antibiotikatherapie und betont, dass neben den medikamentösen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Zuwendung wichtige Bestandteile des Fiebermanagements sind. Kinder sollten nicht ins Schwitzen gebracht oder zu stark gekühlt werden, was häufig zu Missverständnissen führt.
Diese Leitlinie wurde in Zusammenarbeit mit 13 Fachgesellschaften und einem Patientenverband erarbeitet und soll auch dazu beitragen, Besuche bei Ärzt:innen zu reduzieren. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses hat das Projekt mit 200.000 Euro gefördert. Zudem leitet Prof. Dr. Martin das Projekt „Fit Für Fieber“, das die Umsetzung der neuen Leitlinie in einer Studie mit 60.000 Kindern untersucht, mit einem Budget von 2,6 Millionen Euro.
Mit diesen umfassenden Empfehlungen wird ein wichtiges Fundament für die sicherere und effektive Behandlung von Fieber im Kindes- und Jugendalter gelegt. Eltern, Ärzte und Fachkräfte sind damit gut gerüstet, um die Herausforderungen des Fiebermanagements anzugehen.