Am 14. April 2026 wurde im Kleist-Museum eine bemerkenswerte Ausstellungsstation eröffnet, die von Studentinnen im Seminar unter der Leitung von Norah El Gammal und Dr. Adrian Schliebe erstellt wurde. Die Ausstellung trägt den Titel „Hinhören und Widerstand leisten. Prinz von Homburg – der ,erste moderne Held‘“ und befasst sich intensiv mit der Oper „Der Prinz von Homburg“, die von Hans Werner Henze komponiert und von Ingeborg Bachmann mit einem Libretto versehen wurde. Die Ausstellung ist nicht nur eine Hommage an die beiden Künstler, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätten, sondern auch ein Versuch, das Stück von Heinrich von Kleist aus dem Schatten der nationalsozialistischen Vereinnahmung zu befreien. Dies stellt einen bedeutenden Schritt in der Entnazifizierung dieses klassisch deutschen Werkes dar, wie europa-uni.de berichtet.
Die Ausstellung hat eine Laufzeit bis zum 14. Juli 2026, passend zum bevorstehenden 250. Geburtstag von Heinrich von Kleist. Studentinnen des Seminars haben hierfür kreative Materialien wie Zollstöcke, Wasserwaagen und Klebepunkte eingesetzt, um ihre visionären Ideen in die Tat umzusetzen. Besonders bemerkenswert sind die verschiedenen Ohren-Objekte, die von Bachmanns Essay „Die wunderliche Musik“ inspiriert wurden. Die Ausstellung verbindet somit künstlerische Kreativität mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten.
Interaktive Elemente und aktuelle Debatten
Ein weiterer innovativer Teil der Ausstellung ist die Möglichkeit für Besucher*innen, über QR-Codes Interviews zur Wehrpflicht-Debatte abzurufen. Zudem können die Besucher*innen mittels Glassteinchen über Gehorsam oder Verweigerung abstimmen. Damit wird ein direkter Bezug zur gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Diskussion geschaffen, der die Relevanz des historischen Werkes in die heutige Zeit überträgt.
Die Studentinnen haben auch den Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze ausgewertet. Solche Recherchen und der Austausch mit Praktiker*innen während gemeinsamer Besuche von Opernvorstellungen erweiterten den Horizont der Teilnehmerinnen in Bezug auf kuratorische Praktiken. Zudem bringt Ho-Shu Lai aus Taiwan eine internationale Perspektive in das Seminar ein.
Highlights aus der Kleist-Forschung
Der Kontext dieser Ausstellung wird durch den jüngsten Verlust von Hermann F. Weiss, der am 18. März 2026 nach kurzer Krankheit verstarb, besonders spürbar. Weiss hat die Kleistforschung durch eine Vielzahl von Entdeckungen bereichert, darunter fünf bisher unbekannte Briefe von Heinrich von Kleist, die als „Jahrhundertfund“ angesehen werden. Diese Briefe wurden kürzlich in einer von Weiss herausgegebenen Ausgabe des Kleist-Jahrbuchs 2024 veröffentlicht, was die Bedeutung seiner Arbeit unterstreicht, so heinrich-von-kleist-gesellschaft.de.
Zusätzlich wird auch 2026 ein Preis für den besten studentischen Aufsatz über Texte von Heinrich von Kleist vergeben. Dieser Preis, dotiert mit 150 €, richtet sich an Studierende und Doktoranden in der Anfangsphase ihrer Promotion. Die Frist für die Einreichung endet am 1. September 2026.
Derartige Initiativen und die Entdeckung von Weiss tragen dazu bei, das Interesse an Kleist und seiner literarischen Bedeutung zu fördern. An deutschsprachigen Universitäten fanden im Semester 2025/26 insgesamt 39 Veranstaltungen zu Heinrich von Kleist statt, was die anhaltende Relevanz seines Werkes verdeutlicht.