Forschende der Universität Marburg und des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) haben kürzlich eine Studie zur Leistungsfähigkeit von Künstlichen Intelligenz (KI)-Sprachmodellen im medizinischen Kontext veröffentlicht. Diese Untersuchung, die im Rahmen des 131. Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) im Mai 2025 in Wiesbaden stattfand, zog rund 9.000 Teilnehmende an. Der Fokus lag auf einem Wissenstest zur akuten Nierenschädigung, den die Teilnehmenden in Form von zwei Patientenfällen und 15 Multiple-Choice-Fragen bearbeiteten. Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Diskrepanz in der Leistungsfähigkeit zwischen KI und menschlichen Teilnehmenden.
Die KI-Modelle erreichten im Durchschnitt eine korrekte Beantwortungsquote von 90 Prozent, während die Medizinstudierenden und praktizierenden Ärztinnen und Ärzte lediglich 49 Prozent der Fragen richtig beantworteten. Einige der getesteten KI-Modelle beantworteten sogar alle Fragen korrekt und benötigten dafür weniger Zeit als die menschlichen Teilnehmenden. Diese Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial von KI-gestützten Technologien im Gesundheitswesen.
Die Grenzen der Künstlichen Intelligenz
Dennoch zeigt die Studie auch klare Grenzen hinsichtlich der Anwendung dieser Technologien im klinischen Alltag. Prof. Dr. Ivica Grgic weist darauf hin, dass menschliches Urteilsvermögen und klinische Erfahrung unverzichtbar sind, um eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen. Die KI-Modelle sind zwar in der Lage, medizinisches Fachwissen zuverlässig abzubilden, sie sind jedoch nicht in der Lage, eigenständig klinische Entscheidungen zu treffen.
Dr. Philipp Russ ergänzt, dass KI-Modelle in der Lage sind, medizinisches Faktenwissen schnell bereitzustellen. Allerdings fehlt es ihnen an Empathie und der Fähigkeit, menschliche Komplexität zu erfassen. Diese Einschränkungen unterstreichen die Notwendigkeit, KI als unterstützendes Werkzeug zu betrachten, nicht als Ersatz für die menschliche Interaktion in der Patientenversorgung.
Integration in den klinischen Alltag
Die Integration von KI in die medizinische Praxis gestaltet sich als schrittweiser Prozess. Es bedarf kontinuierlicher fachlicher, regulatorischer und ethischer Reflexion, um sicherzustellen, dass diese Technologien verantwortungsbewusst und effektiv eingesetzt werden. Die Originalpublikation der Studie ist in „Scientific Reports“ erschienen und liefert wertvolle Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Mensch und Maschine in dermedizinischen Fachwelt.
Insgesamt hebt die Studie die Bedeutung einer harmonischen Zusammenarbeit zwischen KI und medizinischem Fachpersonal hervor, um die bestmögliche Patientenversorgung zu gewährleisten. Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen bleibt somit ein spannendes und herausforderndes Thema.