Forschende der Universität Marburg haben im Rahmen des internationalen Projekts Reassembly die Regeneration tropischer Regenwälder nach Abholzung untersucht. Die Studienergebnisse sind von großer Bedeutung, da über die Hälfte der globalen Regenwälder bereits gerodet wurde, überwiegend für landwirtschaftliche Zwecke. Diese Wälder gelten als das artenreichste Landökosystem der Erde, in dem fast zwei Drittel aller Wirbeltierarten und drei Viertel aller Baumarten leben.
Das Hauptziel dieser Forschung besteht darin, die Chancen für die Regeneration und den Rückkehrprozess der Artenvielfalt auf abgeholzten Flächen genauer zu ermitteln. Die durchgeführten Studien zeigen, dass die Geschwindigkeit der natürlichen Regeneration in Agrarflächen signifikant ansteigt, wenn die landwirtschaftliche Nutzung eingestellt wird. Die Ergebnisse offenbaren, dass die Artenvielfalt innerhalb von 30 Jahren auf über 90 Prozent des ursprünglichen Niveaus zurückkehren kann; drei Viertel der typischen Primärwaldarten finden den Weg zurück.
Details zur Studie und den Ergebnissen
Die umfassende Studie wurde im Chocó, im Nordwesten Ecuadors, durchgeführt. Der Untersuchungsbereich beinhaltete unberührte Primärwälder sowie größere Sekundärwälder. In der Forschung wurden 16 Organismengruppen, einschließlich Tiere, Pflanzen und Bakterien, analysiert, während 62 Flächen, die von der Naturschutzorganisation Jocotoco geschützt werden, miteinander verglichen wurden. Erstautor Timo Metz hebt die Resilienz der Regenwälder hervor und betont deren Fähigkeit zur Rückkehr in ihren ursprünglichen Zustand.
Der Seniorautor Nico Blüthgen ergänzt, dass viele Tierarten, die zur Regeneration beitragen, schnell zurückkehren. Insbesondere Fledermäuse gelten als einer der ersten Rückkehrer auf ehemaligen Kakaoplantagen und benötigen dafür etwa sechs Jahre. Im Gegensatz dazu benötigen nachtaktive Insekten über 100 Jahre, um den Lebensraum zu 90 Prozent wieder in den Zustand vor der Rodung zu bevölkern.
Wichtigkeit von Naturschutz und Renaturierung
Martin Schaefer von Jocotoco betont die Effektivität des Naturschutzes und hebt die Bedeutung des Schutzes von Lebensgrundlagen wie Böden, Wasser und der Bestäubung von Pflanzen hervor. Der kontinuierliche Verlust von 4-6 Millionen Hektar tropischer Wälder jährlich unterstreicht die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen.
Die Studie unterstützt die Notwendigkeit von Renaturierungsprojekten und den Schutz intakter Ökosysteme. Sie zeigt, dass innerhalb einer Menschengeneration 75 Prozent der Artenzusammensetzung und 90 Prozent der Artenvielfalt aus eigener Kraft zurückkommen können. Jedoch ist eine schnelle natürliche Regeneration nur dann möglich, wenn ausreichend intakte Wälder als Spenderflächen vorhanden sind. Der Erhalt dieser Ökosysteme ist von entscheidender Bedeutung für die Bewahrung der biologischen Vielfalt.
Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten von der Universität Marburg stehen in engem Zusammenhang mit den positiven Ausblicken, die die Umweltschutzorganisationen bieten. Laut Martin Schaefer können Schutz und der Kauf von Flächen entscheidend zur Bewahrung der biologischen Vielfalt und der Grundlagen unserer Gesellschaften beitragen.