In einem bedeutenden Schritt zur Erforschung der kognitiven Mechanismen hinter wiederkehrenden negativen Gedanken haben Forscher der Universität Osnabrück, unter der Leitung von Prof. Dr. Lilian Weber, ein internationales Projekt ins Leben gerufen. Dieses Forschungsprojekt, das von der University of Oxford koordiniert wird, erhält eine Förderung von etwa fünf Millionen Pfund (rund 5,7 Millionen Euro) durch den Wellcome Trust Mental Health Award. Der offizielle Projektstart ist für das Frühjahr 2026 angesetzt, und es zielt darauf ab, innovative therapeutische Ansätze gegen Rumination, also sich wiederholende negative Gedanken, zu entwickeln.

Rumination ist ein bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung von Angst- und Depressionsstörungen. Das Hauptziel des Projektes besteht darin, die zugrunde liegenden kognitiven Mechanismen, die dieser Vorgang mit sich bringt, zu identifizieren. Dazu kombiniert das Projekt moderne Methoden der Hirnforschung mit computergestützter Modellierung, um ein tieferes Verständnis für diese komplexen Vorgänge zu erhalten. Prof. Weber wird insbesondere untersuchen, wie sich die Mechanismen der Rumination mithilfe abstrakter mathematischer Modelle beschreiben lassen.

Fokus auf transkranielle Ultraschallstimulation

Ein zentrales Element innerhalb des Projektes ist die empirische Validierung dieser Modelle durch transkranielle Ultraschallstimulation (TUS). Diese nicht-invasive Neuromodulationstechnik zeigt vielversprechendes Potenzial in der klinischen Anwendung. TUS ermöglicht es, tief liegende Hirnstrukturen gezielt zu stimulieren, die für Emotions- und Angstverarbeitung zuständig sind. Es trägt somit dazu bei, die therapeutische Wirkung von kognitiven Interventionen zu verbessern.

Im neu eingerichteten „Models and Interventions for Cognition-Lab“ an der Universität Osnabrück wird das TUS-System eingesetzt. An diesem innovativen Forschungsvorhaben sind neben der Universität Osnabrück auch die University of Oxford, die ETH Zürich und die University of Exeter beteiligt. Diese interdisziplinären Teams setzen sich dafür ein, bildgebende Verfahren, KI-gestützte kognitive Modelle und Biofeedback-Methoden zu kombinieren, um die komplexen Prozesse im menschlichen Gehirn besser zu verstehen und therapiespezifische Ansätze zu entwickeln.

Wissenschaftliche Basis und zukünftige Anforderungen

Um den therapeutischen Nutzen der TUS-Technik weiter zu evalulieren, wurde eine umfassende Literaturrecherche durchgeführt, die bis zum 24. September 2024 reicht. Dabei wurden unter anderem 35 relevante Studien analysiert, die verschiedene TUS-Parameter untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass Frequenz und Pulswiederholfrequenz signifikante Effekte auf die menschliche Gehirnfunktion haben und dabei milden, vorübergehenden Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit begleiten können.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Daten der gesamten Analyse weisen darauf hin, dass eine Standardisierung von Stimulationsprotokollen sowie großangelegte randomisierte Studien notwendig sind, um das volle Potenzial dieser Technik im klinischen Umfeld auszuschöpfen. Es wird erwartet, dass niedrigfrequente Protokolle vor allem neurodegenerative Erkrankungen adressieren können, während hochfrequente Protokolle zur Linderung motorischer Symptome beitragen.

Die Arbeiten von Prof. Dr. Weber und ihrem Team stellen somit einen wesentlichen Fortschritt in der Forschung zu psychischen Erkrankungen dar. Die Identifikation von kognitiven Mechanismen der Rumination könnte entscheidend dazu beitragen, neue therapeutische Ansätze zur Reduktion von Wiederholungsgedanken zu entwickeln und letztlich die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern.

Für mehr Informationen zu den detaillierten Studienergebnissen und den weiteren Fortschritten in der Forschung zu TUS und Rumination besuchen Sie Uni Osnabrück, PMC und weitere wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema.