Umweltbelastungen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen!
Das internationale Forschungsteam von UNI Mainz untersucht Umweltfaktoren und deren Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Umweltbelastungen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen!
Umweltfaktoren haben einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems. Aktuelle Studien belegen, dass Elemente wie Feinstaub, Lärm, Hitze und chemische Belastungen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen. Diese Erkenntnisse stammen aus einer umfassenden Übersichtsarbeit, die in der Fachzeitschrift Cardiovascular Research veröffentlicht wurde und an der ein internationales Forschungsteam mit Experten aus Mainz, Kopenhagen, München, Barcelona, Edinburgh und Boston beteiligt war. Weltweit sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache, und in Deutschland machen sie etwa 40 Prozent aller Sterbefälle aus, wie das Robert Koch-Institut dokumentiert.
Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall, koronare Herzkrankheit und Bluthochdruck. Neben traditionell bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung sind auch externe Umweltstressoren von Bedeutung. Die gleichzeitige Exposition gegenüber mehreren dieser Stressoren ist besonders schädlich, was das Konzept des Multimodalen Exposoms in den Fokus drängt. Dieses Modell berücksichtigt, wie Umweltbelastungen entlang des Lebensverlaufes einer Person miteinander interagieren und deren Gesundheit beeinflussen.
Ein multifaktorieller Ansatz für die Gesundheit
Der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Gesundheit ist nicht nur theoretisch, sondern fest in der Realität verwurzelt. Laut einer Analyse in der Fachzeitschrift Nature Review Cardiology sind zwei Drittel der jährlichen Todesfälle weltweit auf chronische, nicht übertragbare Krankheiten zurückzuführen, wobei Herz-Kreislauf-Erkrankungen die größte Gruppe bilden. Dies wird durch die alternde Bevölkerung und die Zunahme von Umweltstressoren weiter verstärkt. Experten schätzen, dass etwa zwei Drittel dieser nichtübertragbaren Krankheiten auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind, während ungefähr 16 bis 22 Prozent der weltweiten Todesfälle durch chemische Verschmutzung verursacht werden.
Forschungsergebnisse zeigen, dass Faktoren wie oxidativer Stress, Störungen des zirkadianen Rhythmus und erhöhte Entzündungswerte zu einer höheren Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Besonders relevant ist hierbei die Rolle von Lärm und Luftverschmutzung. In städtischen Gebieten sterben täglich in Frankreich nahezu 400 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die dort die zweithäufigste Todesursache sind.
Prävention durch nachhaltige Maßnahmen
Um diesen besorgniserregenden Entwicklungstendenzen entgegenzuwirken, sind strengere Umwelt- und Lärmschutzgesetze sowie eine nachhaltige Stadtplanung von entscheidender Bedeutung. Untersuchungen haben gezeigt, dass hohe Lärmbelastungen, wie sie in vielen urbanen Regionen vorkommen, mit einem Anstieg von ischämischen Herzerkrankungen korrelieren. Lärm stört den Schlafrhythmus, erhöht Stresshormone und kann zu schädlichen Stoffwechselveränderungen führen, die langfristig das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.
Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist die kontinuierliche Forschung im Bereich des Exposoms. Fortschrittliche Methoden, wie mobile Sensoren und satellitengestützte Expositionserfassung, ermöglichen es, die Wechselwirkungen zwischen vielfältigen Umweltbelastungen und deren gesundheitlichen Auswirkungen besser zu quantifizieren. Solche Studien sind entscheidend, um effektive Präventionsstrategien gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln, die auch individuelle Expositionen und deren biologische Effekte in den Vordergrund stellen.
Letztlich aktualisieren diese Erkenntnisse unser Verständnis davon, wie Umweltfaktoren die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinflussen. Ein integrierter Ansatz, der sowohl individuelle als auch kollektive Gesundheitsfaktoren berücksichtigt, ist unerlässlich für die Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität in einer zunehmend urbanisierten Welt.
Weitere Informationen dazu finden Sie in den ausführlichen Berichten von Unimedizin Mainz, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung und Futura Sciences.